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Bretagne - Bildatlas

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Year:
2021
Edition:
4
Publisher:
DuMont Reiseverlag,
Language:
german
Pages:
122
File:
PDF, 61.60 MB
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1

Walizka z milionami

Year:
1975
Language:
polish
File:
EPUB, 236 KB
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2

True Worshipers: Seeking What Matters to God

Year:
2015
Language:
english
File:
PDF, 1.09 MB
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BRETAGNE

BILDATLAS 177

BED & BREAKFAST

SCHLAFEN IM SCHLOSS
KÜSTENWANDERUNGEN

DIE SCHÖNSTEN
TOUREN

NOUVELLE CUISINE

JUNGE KÖCHE, NEUE WEGE
IN DER KOCHKUNST

EDITORIAL
3

Bonjour,

Wer in die Bretagne reist, muss das Meer mögen. Es
ist allgegenwärtig. Kein Ort ist weiter als 60 km von
der Küste entfernt. Und diese erreicht mit ihren unzähligen Buchten und Halbinseln immerhin die
stattliche Länge von 2700 km. Hier bieten Ebbe und
Flut ein faszinierendes Naturschauspiel.

DAS MEER IST SCHÖN

»DAS MEER WÄSCHT
ALLE LEIDEN AB.«
Platon (427– 347 v. Chr.)

Der Autor dieses Bandes, Klaus Simon, liebt das
Meer, er schließt sich der Meinung der Bretonen an:
»La mer est belle« – das »Meer ist schön«, egal, ob
die Sonne scheint oder ob es stürmt und regnet. Bei
tollem Wetter ist es ein herrliches Vergnügen, so
Klaus Simon, mit einem Char à Voile über den
Strand zu sausen. Vielleicht probieren Sie es einmal
aus (s. S. 120)? Ich persönlich bevorzuge Wanderungen entlang der Küste. Die schönsten Touren präsentieren wir Ihnen auf S. 96/97. Bei meinem letzten
Bre­tagne-Aufenthalt bin ich einer Empfehlung von
Klaus Simon gefolgt und habe bei der Umrundung
der Île de Batz einen perfekten Wandertag erlebt.
Für wen das Peanuts sind, der absolviere den gesamten Küstenwanderweg der Bretagne, den GR 34.

WELLNESS PUR
Natürlich muss man sich nicht wandertechnisch
verausgaben, um von der positiven Wirkung des
Meeres auf Körper und Geist zu profitieren. Auch
eine Thalassokur könnte weiterhelfen. Egal, ob in
St-Malo, Dinard, Roscoff oder Quiberon (die besten
Adressen finden Sie auf S. 34/35). Überall gibt es ein
hervorragendes Angebot an Therapien – und das ist
weit mehr als das Baden im Meer, dazu gehören
auch Algentherapien, Inhalation von zerstäubtem
Meerwasser, Aqua-Stretching, Atemgymnastik am
Strand und, und, und … Ganz getreu dem Motto von
Platon: »Das Meer wäscht alle Leiden ab.«

Herzlich

Birgit Borowski
Programmleiterin DuMont Bildatlas

Klaus Simon, Journalist und
Autor, hat während seines
Studiums einige Zeit in d; er
Bretagne gelebt. Heute ist
er gern mit seinem bewährten Reisegefährten Paule
unterwegs, hier am Strand
von Ste-Anne-la-Palud.
Elan Fleisher, Fotograf dieses Bandes, liebte das Meer
und insbesondere die Bretagne. Er verstarb viel zu
früh Ende 2018.

22
Abends wird es still auf dem
Mont St-Michel.

88
Im Sommer ein kleines Paris:
Der Hafen von Le Palais auf Belle Île

Westküste & Süden

70

88

Folklore für Bretonen:
Festival des Filets
Bleus in Concarneau
Côte de Granit Rose

Westen

Südküste

Innere Bretagne

Südwesten

Rennes & Norden

I N H A LT
4–5

56
8

22

Rennes und der Norden

36

40

Côte de Granit Rose

LA BRETAGNE EN ROSE

52

66

70

80

84

88

102

20

Die Seele der Bretagne

34

96

Unterwegs zwischen
Fels und Watt
Schöne Küstenwanderungen

Zur Sache
La Nouvelle Cuisine bretonne

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich
Der Südwesten

GROSSE STEINE UND EIN KLEINES MEER

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich
Die innere Bretagne

DER GRÜNE KERN

Der Forêt de Huelgoat und der Forêt de
Paimpont bieten Raum für Mythen und
Legenden.

110

Zur Sache
Keltische Wälder, keltische Mythen
Auf König Artus’ Spuren.

112

Das Meer wäscht alle Leiden ab
Thalassokuren haben eine lange Tradition
in der Bretagne.

GRAUER GRANIT AN DER SÜDSEE

An der Côte des Mégalithes reihen
sich die Menhire. Die Grande Brière ist
Frankreichs zweitgrößtes Sumpfgebiet!
Und Belle-Île? Natürlich die Schönste.

98

Sie ist auch in den stimmungsvollsten
­Kleinstädten zu finden.

Die Südküste

Schmackhaft und einfach ist die
traditionelle ­Küche. Eine ganze
Generation südbretonischer ­Köche aber
geht einen Schritt weiter.

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich

Unsere Favoriten

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich

Über 2000 Sonnenstunden werden
im Jahresmittel an der bretonischen
Südküste gezählt. Kein Wunder, dass
Gauguin Südseegefühle überkamen, als
er sie auf Leinwand bannte.

Zur Sache
Herrschaftlich nächtigen

Im Westen Frankreichs finden sich
Châteaux und Manoirs – ideal für ein
nicht alltägliches Bed & Breakfast.

Zur Sache
Inseln am Scheideweg

Elf bewohnte Inseln zählt die Bretagne,
alle ­kämpfen mit Bevölkerungsrückgang.

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich

Zartes Rosa und blasses Violett
färben die Felsen. Blaulila blühende
Schmucklilien setzen mediterrane
Kontraste, die alles Unken über das
­ruppige Klima der Bretagne Lügen straft.

48

64

BOLLWERKE UND BUCHTEN

Mit der Bucht des Mont St-Michel
beginnt die Bre­tagne. ­Rennes überrascht
als Mix aus Fachwerk, ­barocker Pracht
und ­futuristischem Beton.

EIN GEFÜHL VON FREIHEIT

Auf den Klippen im Westen der breto­
nischen Halbinsel ­genießt man das
Gefühl unendlicher Freiheit. Der alte
­Kontinent endet hier.

Impressionen

Ein Bretagne-Bilderbogen: Szenerie an der
Côte Sauvage, Rettung des Mont St-Michel, Küstenleben auf Belle-Île, Trachtentradition in Concarneau, Strand­
segeln in Cherrueix und Stadtansicht
von Rennes.

Der Westen

116
119
120
122

Straßenkarte | Infos| Ja natürlich
Anhang

HILFREICH & NÜTZLICH
REGISTER, IMPRESSUM
URLAUB ERINNERN
LIEFERBARE AUSGABEN

UNSERE
TOP-10

Das Beste erleben
Berührend, aufregend und spannend …
sind unsere Ideen, die wir für Ihren Aufenthalt
in der Bretagne zusammengetragen haben.

Frischer Schwung

Grandiose Natur

*1*
CAP FRÉHEL

Die Wanderung zum gischt­umtosten Kap stimmt
Besucher auf die Verhältnisse an der Nordküste
der Bretagne ein: Mehr Tidenhub, mehr Wellengang gehen nicht.
Seite 39

*2*
ÎLE DE BATZ
Eine Insel im Taschentuchformat, ideal zum
­Erwandern, und mit allem, was die Bretagne
­ausmacht – von blühenden Tropenpflanzen ­
bis hin zu spektakulären Klippen.
Seite 67

*3*
MONTS D’ARRÉE
Kobolde und der Sensenmann sind auf den von
Heidekraut überwucherten Gipfeln und in den
­wildromantischen Wäldern unter­wegs.
Und Wanderer natürlich auch.
Seite 113

*4*
ARCHIPEL DE GLÉNAN

Pulverfeiner Sand. Ein in ­allen nur vorstellbaren
Blautönen ­schimmerndes Meer. Der
Kontinent ist weit – kein Wunder, dass das
­Robinsongefühl da groß ist!
Seite 86

*5*
CÔTE SAUVAGE
Die Halbinsel von Quiberon gibt sich an ihrer
Westseite als wahrlich wilde Küstenlandschaft –
ein urtümliches Highlight.
Seite 99

6

UNSERE TOP-10
6–7

8

9

2

Große Kunst

*8*
MONT ST-MICHEL

*6*
RENNES

Der größte Besuchermagnet der Region ist wieder
eine Insel. Der Klosterberg „schwimmt“ sich als
Wunderwerk des Abendlands erneut frei.
Seite 38

In Rennes erlebt man hautnah mit, wie das
21. Jahrhundert im historischen Zentrum
der Stadt Einzug hält.
Seite 37

*9*
ST-THÉGONNEC

*7*
DOUARNENEZ

Scharen von in Stein gehauenen Heiligen,
­ läubigen, aber auch Sensenmännern, dazu Ochs
G
und Esel bevölkern die Monumente bretonischer
Frömmigkeit auf einer Rundreise zu den
Enclos paroissiaux.
Seite 67

Eindrucksvoll ist das Festival Temps Fête
schon durch die vielen historischen Boote.
Ein buntes Vergnügen!
Seite 85

* 10 *
CARNAC

4

Zu Tausenden reihen sich die Hinkelsteine
an der Côte des Mégalithes, deren
Hauptort ­Carnac ist.
Seite 100

KÜSTE MIT FALLHÖHE
Rund 2700 Kilometer Küste misst die Bretagne.
Die Côte ­Sauvage, die „wilde Küste“, bleibt dank
Küstenschutz unbebaut und dort, wo die Klippen
besonders zerklüftet sind, auch unzugänglich. Der
Atlantik nagt bei jedem Gezeitenwechsel an ihr. Bei
Ebbe weiten sich zu Füßen der Klippen Sandwüsten.
­Granitblöcke liegen wie Walrösser im Wasser.

IMPRESSIONEN
8–9

HIGHTECH FÜR DIE INSEL
Seit ihre keltischen Vorfahren „aus dem Dunkel
kamen“, pflegen die Bretonen ihre Kultur. Ihr Eigensinn macht sie gegen Vereinnahmung firm. Es ist ein
fester Glaube, der Berge versetzt und Inseln dem
Meer zurückgibt. So wie beim Mont St-Michel: Dank
moderner Technik wurde der verlandete Klosterberg
wieder eine Insel. Zugleich wurde ein für ganz Frankreich identitätsstiftendes Kulturdenkmal gerettet.

IMPRESSIONEN
10 – 11

IMPRESSIONEN
12 – 13

BUNT IST DAS LEBEN AM MEER
Lange wandten die Bretonen dem Meer den Rücken
zu. Selbst auf einigen Inseln zog man es vor, Schafe
zu züchten statt zu fischen. Doch aus den Bretonen
sind mittlerweile Seeleute geworden. Nicht nur am
Hafen von Sauzon auf Belle-Île sind die Fassaden in
freundlichen Farben getüncht. Fischkutter leuchten
papageienbunt. Segelschiffe setzen weiße Tupfer
aufs Blau des Atlantiks. La mer est belle – das Meer
ist schön, heißt es heute.

FOLKLORE FÜRS ÜBERLEBEN
Als die Sardine plötzlich nicht mehr in Riesenschwärmen vor die südbretonische Küste zog, wurden die
Fischer und Arbeiter in den Konservenfabriken über
Nacht arbeitslos. Künstler und Sommergäste initiierten deshalb ein Solidaritätsfest, benannt nach den
blauen Netzen der Sardinenfischer: Das Festival des
Filets Bleus in Concarneau gilt als ältestes Folklorefest der Bretagne.

IMPRESSIONEN
14 – 15

IMPRESSIONEN
16 – 17

SPORTLICHE BRETAGNE
So tellerflach wie in der Bucht des Mont
St-Michel ist die Bretagne nirgends. Die von der Ebbe
freigelegten Sandpisten sind ein Mekka der Strandsegler, eine ihrer Hochburgen ist Cherrueix. Fast jeder
Hafenort hat einen Jachthafen und eine Segelschule.
Surfer lieben die Wellen und die verlässliche Brise.
Wanderer können sich auf Tausenden Kilometern
Weg ver­lieren. Mountainbiker bevorzugen die Mittelgebirge im Inland. Reiter sind überall willkommen.

IMPRESSIONEN
18 – 19

TRADITION TRIFFT MODERNE
Rennes hat für jeden Geschmack etwas zu bieten:
Es prunkt mit zahlreichen Monuments historiques
wie dem Rathaus, vor dem sich die Place de la Mairie erstreckt, hat aber auch eine von bretonischem
Fachwerk geprägte Altstadt. Die schicke, funktionale
Infrastruktur setzt einen futuristischen Kontrapunkt.
Überhaupt tut sich einiges in der Regionalhauptstadt:
Überall wird gebaut und gewerkelt.

UNSERE
FAVORITEN

Die stimmungsvollsten Kleinstädte

DIE SEELE DER
BRETAGNE

Abseits der großen touristischen
Routen bewahrt die Bretagne
ihre Seele. In vielen charmanten
Kleinstädten scheint Beton
ein Fremdwort zu sein. In
Locronan etwa musste Regis­
seur Roman Polanski nur die
Stromkabel in die Erde ver­
legen lassen, um seinen Film
„Tess“ zu drehen – der im
Südengland des Viktoriani­
schen Zeitalters spielt.
4

3

œ
1 Moncontour –
Ein bisschen
Spaß muss
sein

Eine schulterbreite Stiege
heißt Venelle des Hautes-­
Folies (Stiege der hohen
Verrücktheiten), eine andere Hors-Voie (Abseits der
Spur). Der Kirchturm ist ein
skurriles Gebilde in Glockenform. Die originellen
Ladenschilder stammen
vom lokalen Künstler Gilles
Bizien. Mittelalterfest,
­S traßenkunstfestival, Konzerte im privaten Denkmal
sind Veranstaltungen, die
dafür bürgen, dass Moncontour von musealer
Starre weit entfernt ist.
Information: Office de
Tourisme du pays de Moncontour, 1, Rue Bel-Orient,
F-22510 Moncontour,
Tel. 02 57 25 22 22, www.
capderquy-valandre.com/
moncontour

œ
3 Guerlesquin –

Ein Platz für ­jeden Markt

œ
2 Quintin –

Unvollendet schön

Von der Burg aus dem
12. Jahrhundert, die auf einem Felsen über dem Tal
des Gouet thronte, blieb nur
ein mas­s iver Turm. Das
Schloss, das Henriette de la
Tour d’Auvergne 1645 an
derselben Stelle errichten
lassen wollte, wurde nie
vollendet. Erst im Jahr 1775
entstanden die Bauten im
Nordhof. Es ist genau diese
Mischung, die den Charme
von Quintin ausmacht. Die
ehemalige Hochburg der

bretonischen Leinenweber
weist an der Place du Martray und in der Rue St-Thuriau etliche ­w eitere feudale
Bauten auf – Leinen war der
Stoff, aus dem in der Bretagne die ­reiche Seite der
Geschichte gewoben
wurde.
Information: Office de
Tourisme, 6, Place 1830,
F-22800 Quintin, Tel.
02 96 74 01 51, www.
tourismequintin.com

Händler und Kaufleute
­h aben das heute 1400 Einwohner zählende Städtchen am Schnittpunkt der
Bistümer Léon und Cornouaille groß gemacht. Wie
umtriebig es vor gotischen
Portalen, Renaissance-­
Erkern und dem Présidial,
dem von Türmchen geschmückten einstigen Gefängnis, einmal zugegangen ist, zeigt sich noch
­immer montags in der
Markthalle auf der Place
La Cohue und beim mehrmals in der Woche abge-

haltenen Marché aux
­C adrans, dem Rindermarkt. Stolzester Platz
aber bleibt die Place
­P rosper Proux mit ihren
herrschaftlichen Granit­
fassaden.
Informationen:
Office de Tourisme,
Place du Présidial,
F-29650 Guerlesquin,
Tel. 02 98 72 84 20, www.
guerlesquin.fr/fr/officede-tourisme.php, außerhalb der Saison im Rathaus
(Mairie)

U N S E R E FAV O R I T E N
20 – 21
5

St-Lô

2

1

Bretagne

Quimper
6

Normandie

St-Malo

St-Brieuc
5

CherbourgOcteville

Jersey

Laval

7

ys

NT

-d

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AT

Vannes

Rennes

R

Nantes

Belle-Île

OZ

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L

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Pte.
du Raz

Kanalinseln
(GB)

3
4

Alderney
Guernsey

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Brest

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DMBA 177 Bretagne Lagekarte 64 x 64 mm 2.2.2016 Lawall

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oir

Noirmoutier

œ
5 Locronan –

Drehort zum
Verweilen

œ
4 Le Faou –

Schiefer­schindeln ­gegen Salz

Das schönste Hafenstädtchen in der Reede von
Brest? Le Faou! Stolz ragt
die Renaissancekirche
St-Sauveur am Mündungstrichter des Ria Steir Goz
empor. Imposant reihen
sich an der Hauptstraße,
den Kais und dem Rathausplatz Fachwerk- und Giebelhäuser aus dem 16. Jahrhundert, ­d eren Fassaden
mit Schieferschindeln bedeckt sind, aneinander. Die
Nähe zum Meer und die
zerstöre­r ischen Kräfte der

Salzluft machen diesen
Schutz nötig. Apropos Meer:
Bei Ebbe breitet sich am Ria
Steir Goz (bretonisch für
„alter Fluss“) eine bis zu
vier Kilometer breite
Schlickwüste aus, ein Bild
surrealer Schönheit.
Information: Office de
Tourisme de l’Aulne Maritime au Faou, 39, Rue du
Général de Gaulle, F-29590
Le Faou, Tel. 02 98 81 06 85,
www.lefaou.bzh/fr/bien
-bouger/infos-tourisme

œ
6 Pont-Croix –

Steinernes
Schmuckstück

Falls das eine oder andere
Haus, eine Gasse oder die
bläulich schimmernde Granitmasse der Pfarrkirche
St-Ronan bekannt vorkommt, dann aus dem
Kino! Philippe de Broca hat
in Locronan „Les Chouans“
mit Sophie Marceau und
Philippe Noiret gedreht,
­R oman Polanski „Tess“ mit
Natassia Kinski. Denn die
Kulisse, die das ehemalige
Kaufmannsstädtchen abgibt, ist so umwerfend,
dass man einfach nur bleiben möchte.

In Pont-Croix endet der
sechs Kilometer lange, gezeitenabhängige Mündungstrichter des Goyen.
Dass Schiffe einst bis hierher den Fluss hochfuhren,
dokumentieren die Kais,
von ­d enen die steile
­G rande-Rue-Chère auf die
Place de la République
führt. Am Hauptplatz zieht
das filigrane Südportal von
Notre-Dame-de-Roscudon
Aufmerksamkeit auf sich:
Das Dekor aus in Stein gehauenen Rosetten ist umwerfend schön.

Information: Office de
Tourisme, Place de la
­M airie, F-29180 Loc­r onan,
Tel. 02 98 91 70 14, www.
locronan-tourisme.bzh

Information: Office de
Tourisme, Rue Laënnec,
F-29790 Pont-Croix,
Tel. 02 98 70 40 38, www.
pont-croix.fr

œ
7 La Roche-­
Bernard –
­Attraktive
­Vilaine

Als Festungsstadt geplant,
thront La Roche-Bernard
auf einem Felsen oberhalb
der Vilaine. Zentrum ist die
dreieckige Place du Bouffay
mit ihren Bürgerpalais im
Renaissance-Stil. Vom Platz
fällt eine kaum autobreite
Gasse zum alten Fluss­
hafen hin ab, wo statt der
Lastkähne von einst heute
Segeljachten auf der ­V ilaine
dümpeln.
Information: Office de
Tourisme, 14, Rue du
­D octeur Cornudet, F-56130
La Roche-Bernard, Tel.
02 99 90 67 98, www.dam
gan-larochebernard
-tourisme.com

RENNES UND DER NORDEN
22 – 23

Rennes und der Norden

*

BOLLWERKE
UND BUCHTEN
*

Mit der Bucht des Mont St-Michel beginnt die Bretagne als
endlose Weite. Wenige Kilometer westlich ragen erste Klippen
auf. Rennes, die Hauptstadt der
Region, überrascht als architektonischer Mix aus bretonischem
Fachwerk, barocker Pracht
und futuristischem Beton.

Zum Marschland gehören auch in der Bretagne Schafe,
und wo Schafe gehalten werden, sind Border Collies nicht weit.

Nach einem Groß­
brand 1994 wurde
Rennes’ barockes
­Parlement de
­B retagne original­
getreu wiederauf­
gebaut.

N
Rennes war lange als
­provinziell und eher
­l angweilig bekannt.
Heute bestimmen junge
Menschen das Stadtbild –
auch dank der beiden
1969 gegründeten
­Universitäten.

ur eine halbe Stunde braucht
man von Rennes bis an die frühere Ostgrenze des Herzogtums.
Auch die Grenzen der heutigen Verwaltungsregion Bretagne verlaufen auf ungefähr gleicher Höhe. Bis nach Brest im
tiefen Westen der Bretagne ist es hin­
gegen fast eine Tagesreise. Warum also
Rennes als Hauptstadt?
Nantes, die jahrhundertelange Rivalin
um den Titel, war bereits im 16. Jahrhundert mit dem Tod des letzten Herzogs
der Bretagne aus dem Rennen. 1561 zog
das Parlament der Bretagne nach Rennes
und damit näher an die Zentralmacht in
Paris. Als bei der regionalen Neuordnung Frankreichs in den 1960er-Jahren
Nantes die Kapitale der neuen Region
Pays de la Loire wurde, blieb Rennes die
Hauptstadtrolle für die Region Bretagne.
Bei der neuerlichen Regionalreform
Frankreichs, jüngst umgesetzt, bleibt die
Bretagne als eine der wenigen Regionen
in ihrer territorialen Einheit unangetastet – mit Rennes als Hauptstadt.

Nach dem Brand: Barock!
Ein Großfeuer zerstörte 1720 weite Teile
der mittelalterlichen, durch Tuchherstellung und überseeische Handelsverbindungen wohlhabend gewordenen Fachwerkstadt. Rennes’ Wiederauferstehung
brachte Sichtachsen und repräsentative
Plätze mit sich. Straßenzüge wirken wie
mit dem Lineal gezogen. Fassaden leuchten honiggelb und üben sich in spätbarockem Gleichmaß, das der königliche Architekt Jacques Gabriel der Stadt verordnet hatte. An der Place du Palais reihen
sich Arkaden aneinander.
Ein hoheitsvoller Bau beherrscht das
Geviert. Das Parlement de Bretagne
diente den Generalständen einst als Versammlungsort; hier trafen sich die Vertreter des Adels, der Kirche und der Bürger und Bauern, um über ­
königliche
Anliegen zu beraten. Heute fungiert der
frühbarocke Bau als Justizpalast. Der
perfekte Zustand darf nicht verwundern.
1994 wurde das Parlement durch eine von
demonstrierenden ­
Fischern gezündete

RENNES UND DER NORDEN
24 – 25

Rennes’ Place de la République
wird vom mächtigen Bau des
­Palais du Commerce bestimmt
(links). Es entstand historisierend
Ende des 19. Jahrhunderts und in
den 1920er-Jahren.

Die Place du Champ-Jacquet erinnert mit ihren
Fachwerkbauten aus dem 17. Jahrhundert an
Rennes’ frühere Zeiten großen Wohlstands
(oben).

Rennes hat auch eine moderne Seite: Métro-Station La Poterie, von Sir Norman Foster
entworfen und 2002 fertiggestellt (Mitte links). Die Rue de Penhouët bietet gemütliche Altstadt­
atmosphäre (unten).

Leuchtrakete in Brand gesetzt – und
sieht sich heute originalgetreu wieder
aufgebaut.

Viele Probleme, viel Charme
Die Rue St-Michel ist in den letzten
Jahren in Verruf geraten. Die bekann­
teste Thekenmeile der Altstadt bekam
nach wiederholten Schlägereien sogar
eine Polizeistation vor ihr herausgeputztes Fachwerk gesetzt. Aber es geht auch
beschaulicher. In der Rue de la Psalette
Nr. 8 verzaubert ein Innenhof mit Magnolien, Kamelien und Holzgalerie aus der
Renaissance. Auch die Rue du Chapitre
lässt mit spätgotischem Fachwerk noch
ein Stadtbild wie vor dem g­ roßen Brand
aufleben. Doch schon ein paar ­Gassen
weiter sacken in der Rue St-Georges
Fachwerkkaten zusammen. Eine Sanierungskampagne soll Abhilfe schaffen –
ihr Motto: „Eine Wohnung mit Stil für
einen Bewohner mit Stil.“

Rennes tut alles, sein eher
betuliches Image dauerhaft
abzustreifen – moderne
­Architektur spiegelt dieses
Bemühen überall in der
Stadt.
Junges Rennes
67 000 Studenten sorgen für Schwung in
der Stadt. Gut so, denn Rennes hat viel
vor. 430 000 Einwohner, mehr als doppelt so viele wie heute, sollen die Stadt
des 21. Jahrhunderts bevölkern. Bis dahin wird geklotzt. Der Bau einer neuen
­Me­trolinie verwandelt Teile der Altstadt
auf Jahre in eine Großbaustelle – 30 Stationen sollen es ab 2022 sein. Bei der
Wahl der Architekten können die Namen
nicht groß genug sein. Sir Norman
­Foster wurde für die Metrostation La Poterie verpflichtet. Jean Nouvel hat e­ inen
­gläsernen Luxusappartementriegel ans

Auch Vitré gehörte zu den Grenzfesten der Bretagne; seine Ville close,
teilweise noch von einer Stadtmauer umgeben, erinnert an mittelalter­
lich anmutende Bilder (oben). Heute lässt sich im Park von Rochers-­
Sévigné entspannt golfen; das immer wieder umgebaute Château liegt
südlich vor den Toren von Vitré (Mitte und unten).

RENNES UND DER NORDEN
26 – 27

Fougères’ Unterstadt drängt sich um das mittelalterliche Château.

Dinans Vieux Pont, die alte Steinbrücke in der Unterstadt über die Rance

In der Grande Rue
herrscht immer großer
Besucherandrang
(links). Schon ruhiger
wird es vor dem
­A nstieg zum Kloster
des Mont St-Michel
­n ahe der nördlichen
Bastion (rechts).

Meist sehr still ist es oben im Kreuzgang,
­e inem Raum für Einkehr und Besinnung.

Viele Besucher des Mont St-Michel zieht es erst einmal in eines der Restaurants an der Grande
Rue, etwa ins La Vieille Auberge mit seiner Terrasse.

RENNES UND DER NORDEN
28 – 29

Blick über das Marschland auf Mont St-Michel, Gottesburg und im
­H undertjährigen Krieg von den Engländern lange belagerte Festung

Mont St-Michel

Special

Wasser marsch!
Die Renaturisierung der Bucht des
Mont St-Michel ist ein Projekt von
pharaonischen Ausmaßen. In fast
zehnjährigen Bauarbeiten wurde
der Klosterberg von Parkplätzen
und Deichstraße befreit. Für den
Rest soll das Meer sorgen.
Von 1879 bis 2014 verband eine
Deichstraße den Mont St-Michel mit
dem rechten Ufer der Couesnant-Mündung, behinderte Ebbe und
Flut. In der Folge versandete der Klosterberg. 2004 begannen die Gegen-

maßnahmen mit dem Ziel, den Mont
St-Michel wieder zu einer Insel zu
machen. In einem ersten Bauabschnitt
wurde eine neue Brückenschleuse gebaut, um den Fluss so regulieren zu
können, dass der Couesnant die Bucht
wie ein Reinigungsstrahl freispült.
Später wurden die 15 Hektar großen
Parkflächen am Fuß der Klosterinsel
abgetragen. Bis 2014 folgte als letzter
Schritt das Abtragen der Deichstraße.
Als Ersatz dient ein hypermoderner,
ökologisch korrekt mit Holz verkleideter Shuttle-Bus, der Besucher vom
Parkplatz auf dem Festland zum
­Klosterberg bringt. Fast geräuschlos
surrt man über die auf Pfeilern in der
Bucht ruhende, 900 Meter lange neue
Brücke, oder man geht zu Fuß über
den mit Holzbohlen belegten Weg parallel zur Fahrbahn. Schon heute sollen 80 Prozent der angelagerten Sedimente weggespült sein. Bis zum Ende
des Jahrzehnts hofft man, den Urzustand der Bucht erreicht zu haben.

rechte Ufer der Vilaine gepflanzt. Mit
dem Kulturzentrum Les Champs ­Libres
wurde das gesichtslose Viertel auf dem
rechten Ufer des Flusses von Christian
de Portzamparc in Szene gesetzt. An der
Place Ste-Anne hat sich das ehemalige
Jakobinerkloster in ein hypermodernes
Kongresszentrum verwandelt. Vor dem
FRAC, dem futuristischen Zentrum für
zeitgenössische Kunst an der Avenue
André Mussat, erinnert ein Wald aus
monumentalen Granitstelen an die Menhiralleen von Carnac.

Bollwerke und Dichterschlösser
Mit Festungsstädten versuchten die Herzöge der Bretagne die Grenze zum Anjou
und zur Normandie zu schützen. Vergeblich: Fougères wurde trotz trutziger Burg
mehrfach zerstört, schließlich 1488 von
der französischen Armee eingenommen.
Victor Hugo hat die Stadt trefflich beschrieben: „Stellen Sie sich einen ­Löffel
vor, das ist die Burg, sein Stiel die Stadt.
Verbinden Sie Burg und Stadt, drehen
das Ganze um, und legen Sie es mit dem
Stiel nach oben zeigend hin, schon haben Sie Fougères.“
Auch Vitré sollte die Grenze sichern.
Heute halten Schafe das Gras im Burggraben kurz. Als einzige Bedrohung
bleibt der Einwohnerschwund, dem
Vitré mit einer vorbildlich sanierten Alt-

Wehrhafte Festungs­
mauern zeigt St-Malo
bis heute – hier der
Blick von Dinard über
die Rance-Mündung.

Der eindrucksvolle
­T idenhub an der
­Nordküste der Bretagne
sorgt bei Ebbe für
Strände von schier
­endloser Weite.

stadt und der Ansiedlung mittelstän­
discher Unternehmen Einhalt zu gebieten versucht.
Südlich von Vitré führt der Circuit Au
Pays de Madame de Sévigné zum Château des Rochers-Sévigné. Im gotischen
Herrenhaus griff die ewig unter Geld­
nöten leidende Marquise de Sévigné oft
zur Feder. Die heute literarisch geschätzten Briefe an die in der Provence verheiratete Tochter beinhalteten neuesten
Klatsch und Modetorheiten vom Pariser
Hof Ludwigs IV. Ein Jahrhundert später
hat François-René de Chateau­briand das
Schloss seiner Kindheit in Combourg
nicht sonderlich geliebt. Nach­zulesen ist
das im Hauptwerk des Politikers,
­Diplomaten und vor allem Schriftstellers,
den „Mémoires d’outre-tombe“. Sein
Schreibtisch, sein Lieblingssessel und
sein Sterbebett gelangten nach Chateau­
briands Tod dennoch aus Paris hierher.

Launiger Grenzfluss
„Le Couesnan dans sa folie, a mis le
Mont St-Michel en Normandie“, lehrt ein
Sprichwort: Aus einer Laune heraus hat
der Couesnan den Mont St-Michel in die
Normandie verlegt. Der Fluss ist die
Grenze zwischen Normandie und Bretagne. Er hat seinen Lauf mehrmals geändert. Darum liegt der Mont St-Michel
heute in der Normandie.

Der weitaus größere Teil der Bucht des
Mont St-Michel blieb aber in der
­Bretagne, somit auch Cancale, wo Austernbänke bei Ebbe ein abstraktes Muster auf den tischtuchflachen Meeres­
boden zeichnen. Speziell die flachen
­Belon-Austern begründeten den Ruf von
Cancale. Aber auch die dickbauchigen
Huîtres creuses schmecken kaum nach
Salz, sondern aromatisch nach Jod und
Algen – so, wie es in der Bucht des Mont
St-Michel bei Ebbe riecht.

Drei Städte, drei Welten
Côte d’Eméraude, Smaragdküste, nennt
sich der von Steilklippen, schwindeler­
regenden Kaps und goldfarbenen Sandstränden gesäumte Küstenabschnitt
­zwischen der Pointe du Grouin und dem
Cap Fréhel. Der wichtigste Hafen am in
allen Grüntönen changierenden Atlantik
ist St-Malo. Elegante Reeder- und Kor­
sarenpalais hinter Festungsmauern bilden
das Herz der von drei Seiten von Wasser
umspülten Altstadt, genannt intra
­muros. Mit königlicher Duldung rückten
von hier die gefürchteten Korsaren aus,
um mit Kaperschiffen die Meere unsicher
zu machen. Geschützt von dicken
­Mauern, trotzte St-Malo jedem Gegenangriff. Gegen den verheerenden Bombenhagel der Alliierten, die bei der Vertreibung der deutschen Besatzer 80 Prozent

RENNES UND DER NORDEN
30 – 31

Dinard hat sich einen Hauch
­f eudaler Sommerfrische erhalten
können (links). Abseits der Plage
findet sich aber auch hier eine
­n aturbelassenere Strandszenerie
(Mitte links).

Cancale zeigt sich eng verbunden mit den
Meeres­b ewohnern – als Hochburg der Austern­
zucht, als Ausgangspunkt zur Beobachtung der
­D elfine in der Bucht des Mont St-Michel oder in
seinen Restaurants, wo sich die Meeresfrüchte
schon einmal hoch auftürmen können.

Die weiten Strände in der Bucht von Mont St-Michel eignen sich vor allem bei Ebbe hervorragend
zum Strandsegeln – hier bei Le Vivier-sur-Mer.

Das St-Malo landseitig vorge­
lagerte Bassin Vauban am Quai
St-Vincent dient heute ­a uch als
Jachthafen. Hinter der Befestigung
ragt der Turm der Kathedrale
St-Vincent auf, im 12. Jahrhundert
begonnen und erst 700 Jahre
­s päter vollendet.

Der Burg von St-Malo benachbart, lockt die Place Châteaubriand
mit einer gastlichen Stätte an der anderen.

RENNES UND DER NORDEN
32 – 33

Die mächtige Toranlage der Grande Porte wurde 1582 errichtet und
­ö ffnet St-Malo zur Grande Rue, der einstigen Hauptstraße.

St-Malo war nicht nur
­Heimathafen gefürch­
teter Freibeuter, von hier
aus wurde auch 1534
­K anada für Frankreich
entdeckt.

Bei Ebbe ist das Fort National zu Fuß erreichbar. Der legendäre
­Festungsbaumeister Vauban ließ die Vorbefestigung 1689 errichten.

der Bauten intra muros in Schutt und
Asche legten, hatte die Korsarenstadt jedoch keine Chance. Beim Wiederaufbau
schluchten­
enger Gassen und stolzer
­Giebel wurde 33 Palais exakt kopiert, der
Rest im Geist der zerstörten Vorbilder rekonstruiert.
Die Mündung der Rance trennt die
Korsarenhochburg auf dem rechten von
Dinard auf dem linken Ufer. Mondäne
Villen, in denen im 19. und frühen
20.  Jahrhundert europäischer Adel und
internationaler Geldadel verkehrten,
übertrumpfen sich bei der dramatischen
Lage auf den Klippen oder bei der Höhe
von Türmen und Kaminen. Die Bäderstadt, die ab 1850 aufstieg, steht heute
unter Denkmalschutz. In Boutiquen
wird madamiger Chic gepredigt. Cafés
versprühen gestrigen Charme. Leben­
diger wirkt da Dinan, Nummer drei im
Städtetrio an der Rance-Mündung. Die
mittelalterliche Hafenstadt liegt eine
halbe Autostunde flussaufwärts am
­linken Ufer. Im alten Hafen ankert eine
kleine Armada von Hausbooten. Von der
Steinbrücke aus dem 15. Jahrhundert
windet sich die Rue du Petit Port ins zauberhafte Zentrum hoch. 75 Meter über
der Rance empfängt Dinan mit stolzem
Fachwerk, schiefem Kopfsteinpflaster
und wuchtigen Toren. Doch vom Musealen keine Spur. Dinan trotzt mit belebten

Plätzen und flotten Cafés der Gefahr,
zum Freilichtmuseum zu degenerieren.
„Lovely“ finden das die vielen Besucher,
unter denen die Briten den Ton anzu­
geben scheinen.

Kraft der Gezeiten
Rekordverdächtige 14 Meter und mehr
beträgt der Tidenhub an der hiesigen
Küste. Der Unterschied zwischen Scheitelpegel der Flut und dem niedrigsten
Wasserstand bei Ebbe setzt enorme
Kräfte frei. Mit dem Gezeitenkraftwerk
in der durch einen Damm abgeriegelten
Rance-Mündung wurden diese Kräfte
weltweit erstmals zur Energiegewinnung
genutzt. Die Usine marémotrice speist
seit 1967 Strom ins Netz ein und erzeugt
jährlich 540 Gigawattstunden – was dem
Energiebedarf von Rennes entspricht.
Der Staudamm aber führte zur Verlandung der Flussmündung. Zudem nahm
der Salzgehalt des Wassers ab, was viele
Fischarten vertrieb. Man arbeitet daher
an neuen Techniken zur Nutzung der Gezeitenkräfte, die ohne Staudamm auskommen. Seit 2012 wird vor der Küste
bei Brest eine Gezeitenströmungsturbine
getestet, die gewonnene Energie über ein
15 Kilometer langes Kabel zur Netzstation auf dem Festland geliefert. Und das
bisher ohne umweltschädliche Nebenwirkungen.

UNSERE
FAVORITEN

Gute Adressen für Thalassokuren

Thalasso nannten die Griechen
der Antike das Meer. An über
einem Dutzend Orten der
­bretonischen Küste taucht das
Wort wieder auf. Denn die
Bretagne ist die Wiege der
sogenannten Thalassotherapie.
Deren Credo lieferte einst
­Platon: „Das Meer wäscht alle
Leiden ab.“

DAS MEER WÄSCHT
ALLE LEIDEN AB

1

5

œ
3 Port de Crou-

esty – Wellness
im Raumschiff

œ
1 St-Malo – Retro-Charme
und sechs Pools

Von außen erscheint das
Grand Hôtel des Thermes
am Strand von Paramé nur
als ein Belle-Époque-Koloss
unter vielen anderen. Vornehm bleich die Fassade,
die Fenster mit Sprossen,
die Lage Pieds dans l’Eau,
mit den Füßen im Wasser
also. Im Centre de Thalasso
des ­H otels aber locken
­a llein sechs Meerwasser-

œ
2 Dinard –

Mit Diätrestaurant

pools, einmal ganz zu
Schweigen von Massage­
kabinen oder Starkstrahl­
duschen.
Le Grand Hôtel des
­Thermes, Grande Plage du
Sillon, 100, Boulevard
­H ébert, F-35400 St-Malo,
Rezeption Tel. 02 99 40 75 00,
www.le-grand-hotel-desthermes.fr

Die Kur im Novotel Thalassa
folgt trotz des entschieden
modernen Rahmens bewährten Rezepten: Jacuzzi,
zerstäubtes Meerwasser
inhalieren, Rückenschule,
Algentherapie, Aqua-­
Stretching, Yoga und Atem­
gymnastik am Strand
­b estimmen die Wellness-Dramaturgie. Apropos

­ ezepte: Im Restaurant
R
wird kalorienarm gekocht.
Denn Gewichtsreduzierung
ist immer eines der Ziele
der Thalassotherapie.
Novotel Dinard Thalassa
Sea & Spa, 1, Avenue du
Chateau Hébert, F-35800
Dinard, Tel. 02 99 16 78 10,
all.accor.com

Das segeltuchweiße Miramar-La Cigale kommt architektonisch als (Raum-)Schiff
daher und bietet moderne
Zimmer und Suiten, zwei
Restaurants, eine Bar, zwei
Pools und einen Wellnessbereich. Très chic mit einer
Prise Futurismus! Die Lage:
zwischen See und Strand,
2,5 Kilometer von Golf de
Rhuys Kerver und weniger
als 3 Kilometer von der Gezeitenmühle Pen Castel
und Port Navalo entfernt.
Port du Crouesty, Route du
Petit Mont, F-56640 Arzon,
Tel. 02 97 53 49 00, www.
miramar-lacigale.com/en/

U N S E R E FAV O R I T E N
34 – 35
1

1

Alderney

al

Guernsey

Kanalinseln
(GB)

St-Lô

Bretagne

Quimper

Normandie

St-Malo
2

1

Rennes

Laval

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Nantes

Belle-Île

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St-Brieuc

Brest

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CherbourgOcteville

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DMBA 177 Bretagne Lagekarte 64 x 64 mm 2.2.2016 Lawall

e
oir

Noirmoutier

œ
4 Roscoff –

Die Wiege
der Seekur

Lange bevor die moderne
Thalassotherapie erfunden
wurde, praktizierte man in
Roscoff die Massage mit
Meerwasser. Palper rouler
heißt die geschützte Methode, die hier 1899 erstmals zur Anwendung kam.
Im modernen Thalasso­
therapie-Zentrum wird sie
noch immer verwendet.
Vladys Resort Roscoff, 16,
Rue Victor Hugo, F-29682
Roscoff, Tel. 02 52 56 00 23,
www.hotels-valdys.fr/
roscoff/hotel-goldentulip

œ
5 Quiberon – Vom Radprofi
zum Thalasso-Pionier

Es war einmal ein Rad­
fahrer aus der Bretagne,
der die Tour de France als
erster Fahrer 1953, 1954
und 1955 gleich dreimal in
Folge ­g ewann. Dann erlitt
er ­im Jahr 1961 einen
schweren Autounfall,
­d essen Folgen er mit einer
Kur am Meer zu lindern
versuchte, was gelang.
Nachdem er genesen war,
schuf Louison ­B obet (1925–
1983) zusammen mit sei-

nem Bruder ­u . a. in Quiberon in spektakulärer Lage
das erste ­m oderne Thalassozentrum der ­B retagne,
ach was: der Welt! Das gibt
es noch ­immer und zwar
unter dem Namen Sofitel
­Thalassa.
Sofitel Quiberon Diététique,
Boulevard ­L ouison Bobet,
F-56170 Quiberon,
Tel. 02 97 50 20 00,
­s ofitel.accor.com

œ
6 Belle-Île – Nobelkur
Nobel geht die Welt im
­C astel Clara an der Côte
Sauvage von Belle-Île ins
Sprudelbad. Das Haus ist
Mitglied bei der Luxus­
hotel-Vereinigung Relais &
Châteaux. Der beheizte
Meerwasseraußenpool hat
entsprechend olympiareife
Maße. Und nach der Behandlung geht es auf die
Liege mit Blick auf den
­N aturhafen Port Goulphar
oder auf den über 50 Meter

hoch aufragenden Leuchtturm Phare de Goulphar,
der die Schifffahrt seit 1882
vor den hiesigen Klippen
warnt, die sehr zu einem
Spaziergang verlocken.
Eine rundherum gelungene
Umgebung für eine Auszeit.
Le Castel Clara, Restaurant
et Thalassothérapie,
­G oulphar, F-56360 Bangor,
Tel. 02 97 31 84 21, www.
castel-clara.com

7

4

3

5
2

6

1

INFOS & EMPFEHLUNGEN

RENNES UND DER NORDEN
36 – 37

Klippen und Welterbe
Mit dem Mont St-Michel hat die Bretagne im äußersten Nordwesten eine Welterbestätte
vor der Grenze. Bei St-Malo ist der Tidenhub so kräftig wie sonst nirgends in Europa,
und das Cap Fréhel ist eines der dramatischsten der gesamten Bretagne.
1

Rennes

Streng und gradlinig empfängt die bretonische
Hauptstadt (220 000 Einw.) ihre Besucher. Zum
ersten Eindruck trägt die kanalisierte und zum
Teil überdeckelte Vilaine bei. Nördlich des Flusses bestätigt herrschaftlich kühle Architektur
des Ancien Régime diesen Eindruck. Entschieden modern wird das Stadtbild südlich der Vilaine. Wo die Bomben des Zweiten Weltkriegs
große Schäden angerichtet haben, entsteht
heute die Stadt des 21. Jahrhunderts.
SEHENSWERT
Mittelpunkt der Altstadt TOPZIEL ist die
Place de la Mairie mit zweiflügeligem Rathaus (1743) und Oper (1831) auf der gegenüberliegenden Seite. Das Parlement de
­B retagne wurde 1618 bis 1655 errichtet; gewaltige Säle, vergoldeter Stuck und kostbare
Kassettendecken sind beeindruckend (Füh­
rungen über Office de Tourisme). An der Place
des Lices blieb ein Stück Stadtmauer erhalten.
In der Platzmitte stehen zwei um 1865 gebaute
Markthallen; am Sa. lebt der Platz zu einem der
größten Wochenmärkte Frankreichs auf. An
den Chor der neoklassizistischen ­K athedrale

Tipp

Rennes’ ­
Trans ­Musicales
Björk (1988) und Stromae (2010) haben
auf den Trans Musicales erste Bühnenauftritte absolviert. Hinter dem Rock-,
Pop- und Technofestival Anf. Dez. steht
ein bretonisches Urgestein. Jean-Louis
Brossard kam 1953 in St-Brieuc zur Welt,
fand Rennes als Student „verschlafen“
und beschloss, die Stadt musikalisch zu
beleben. 1979 veranstaltete Brossard
das erste Festival. Der Erfolg kam
schneller als die Flut. 2005 ­gingen die
Trans Musicales auf Auslandstournee bis
nach China. Heute gilt das Festival als
einer der wichtigsten Trendbarometer
der weltweiten Musikszene.
INFORMATION
www.lestrans.com

Historische Altstadt von Rennes (links); buntes
Angebot einer Crêperie (rechts oben); Detail
des Parlement de Bretagne (rechts unten)

St-Pierre (1787–1844) schmiegt sich die mittelalterlich wirkende Rue de la Psalette. In der
Rue St-Guilhaume, Rue St-Sauveur und Rue du
Chapitre wechseln spätgotische Fassaden mit
Renaissance-Fachwerk und barocken Palais ab.

HOTEL UND RESTAURANT
Zentral und doch ruhig liegt das € € Hôtel Nemours (5, Rue de Nemours, Tel. 02 99 78 26 26,
F-35000 Rennes, www.hotelnemours.com).
­K reative Regionalküche gibt es im € € Le
Cours des Lices (18, Place des Lices, Tel.
02 99 30 25 25; So. und Mo. geschl.).

-­c ombourg.com; Führungen Juli und Aug. tgl.
10.00–12.30 und 14.00–18.00, April–Juni, Sept.
und Okt. außer So. vormittags u. Sa. 10.00 bis
12.30, 14.00–18.00 Uhr).
Fougères (35 km nordöstl.) lässt sich in eine
geschäftige Oberstadt mit imposanten Verwaltungsgebäuden und eine Unterstadt mit dem
Château am Ufer des Nancon unterteilen; erbaut vom 12. bis 15. Jh., gilt Letzteres als eine
der besterhaltenen Festungsanlagen der Bretagne (www.chateau-fougeres.com; Juni–Sept.
tgl. 10.00–19.00, Febr.–Mai, Okt.–Dez. Di.–So.
10.00–12.30 und 14.00–17.30 Uhr).
Vitré (30 km östl.) mit seinen Turm­h auben und
Mauern scheint mittelalter­licher Malerei entstiegen zu sein: zauberhaftes Fachwerk etwa
in der Rue d’Embas und dazu eine dreieckige
Burganlage (14./15. Jh.) mit viel originalem Interieur (Juli und Aug. tgl. 10.00–18.00, April bis
Juni und Sept. tgl. 10.00–12.30 und 14.00–18.00
Uhr, sonst kürzer).

UMGEBUNG
Combourg (40 km nördl.) ist eine nette Landgemeinde mit umtriebigem Montagsmarkt. Besuchermagnet ist das Château (www.chateau

INFORMATION
Destination Rennes, Office de Tourisme, ­
1, Rue St-Malo, F-35000 Rennes, Tel.
02 99 67 35 35, www.tourisme-rennes.com

MUSEEN
Das Musée de Bretagne zeigt Kirchenschätze und Kunst aus Schlössern. Das Museum gehört zum Kulturzentrum Les Champs
Libres mit der städtischen Bibliothek (10, Cours
des Alliés, www.musee-bretagne.fr; Di. 12.00 bis
19.00, Sa., So. 14.00–19.00 Uhr). Das Musée des
Beaux- Arts präsentiert ­M alerei, Zeichnungen,
Stiche und Skulpturen des 14. bis 19. Jhs. (20,
Quai Emile-Zola, www.mba.rennes.fr; Di.–Fr.
10.00–17.00, Sa., So. 10.00–18.00 Uhr).

INFOS & EMPFEHLUNGEN

INFORMATION
Office de Tourisme, Esplanade St-Vincent,
F-35400 St-Malo, Tel. 08 25 13 52 00*,
www.saint-malo-tourisme.com

5

Dinard

1879 gründeten Briten in Dinard (9000 Einw.)
den ersten Tennisclub Frankreichs.

Im Hafen von St-Malo (links oben); Prome­
nieren auf St-Malos Chaussée de Sillon (links
unten); Baumschule bei Vitré (rechts)

SEHENSWERT
Die Ferme Marine informiert über Austernzucht, und es gibt ein Museum zu Schalentieren (L’Aurore, Route de la Corniche, www.fer
me-marine.com; Führung auf Französisch Mitte
Feb. bis Juni, Mitte Sept.–Okt. Mo.–Fr. 15.00, auf
Deutsch Juli–Mitte Sept. tgl. 16.00 Uhr).

2

Mont-St-Michel

Majestätisch erhebt sich der Abteiberg über
Polder und Salzwiesen. Möglich machte das
Wunder eine Sturmflut zu Beginn des 8. Jhs.,
bei der die Landverbindung weggespült wurde.
Aus der Kultstätte für den hl. Michael ent­
standen in Jahrhunderten Kloster, Abteikirche
und Dorf (44 Einw.).
SEHENSWERT
Ins Dorf geht es durch die Porte de l’Avancée:
Die beiden Kanonen haben Engländer auf der
Flucht 1434 zurückgelassen. Es folgen der
zweite Mauerring, die Porte du Roi und die
wuselige Grande Rue. Eine steile Treppe führt
zunächst zum Châtelet, einem Verteidigungsbau des 14. Jhs., dann zur Salle des Gardes, in
der die Ticketschalter zum Kloster TOPZIEL
untergebracht sind. Zum Rundgang (Mai–Aug.
tgl. 9.00–19.00, Sept.–April tgl. 9.30­– 18.00 Uhr,
letzter Einlass 1 Std. vor Schließung) gehören
der Wohntrakt der Äbte, La Merveille, ein im
13. Jh. errichteter gotischer Bau auf drei Etagen
mit Refektorium und Kreuzgang und das im
Kern romanische Gotteshaus mit seinem
­g otischen Chor; es ruht auf Krypten, die zum
Teil aus dem 10. Jh. stammen.
INFORMATION
Centre d’Information Touristique,
Tel. 02 14 13 20 15,
F-50170 Le Mont St-Michel, ­
www.bienvenueaumontsaint­m ichel.com

3

Cancale

Das Städtchen (5000 Einw.) thront auf einem
Plateau über dem Hafen La Houle. Bei Ebbe
­t uckern Traktoren über den Meeresgrund zu
den Austernbänken. 6000 t Schalentiere
­w erden alljährlich geerntet.

INFORMATION
Office de Tourisme, 44, Rue du Port,
F-35260 Cancale, Tel. 08 25 13 52 00*,
www.saint-malo-tourisme.com

4

St-Malo

Elegante Reederpaläste und Festungsmauern
prägen den historischen Kern von St. Malo
(46 000 Einw.). Von drei Seiten ­u mspült der
­A tlantik die Altstadt. Im Nordosten kommen
endlose Sandstrände und Belle-Epoque-Villen,
im Süden der Fähr- und der Jachthafen hinzu.
SEHENSWERT
In der Burg (überw. 15. und 16. Jh.) befinden
sich das Rathaus und das Museum zur Stadtgeschichte (April–Sept. tgl. 10.00–12.30 und
14.00–18.00 Uhr, sonst kürzer). Die Stadtmauer (18. Jh.) ist begehbar und bietet herr­
liche ­B licke in die Altstadt, auf den Hafen und
das Meer. Auf Höhe der Porte St-Louis fällt der
Blick auf die elegante Barockfassade des Hôtel
d’Asfeld, ein Monument vergangener Korsaren­
tage (Füh­r ungen Febr.–Mitte Nov. Di.–So. 15.00,
Juli und Aug. Di.–So. 10.00–11.30 und 14.30 bis
17.30 Uhr). Das Fort National, eine Festung
auf einem ­Inselchen gegenüber der Porte
St-Thomas, ist bei Ebbe zu Fuß zu erreichen
(www.fortnational.com; Juni–Sept. bei Ebbe
geöffnet). Pastellfarbene ­V illen der Belle Époque trotzen im Schutz des Deiches der See.
HOTEL UND RESTAURANT
Am Sillon-Strand liegt der Belle-Époque-Bau
€ € € Hôtel Beaufort (25, Chaussee de Sillon,
Tel. 02 99 40 99 99, www.hotel-beaufort.com).
Der Name Jean-Yves Bordier steht für die
beste Bretagne-Butter; das € € Bistro autour
du Beurre macht dem Ruf des Hauses alle
Ehre (7, Rue de l’Orme, Tel. 02 23 18 25 81,
www.lebeurrebordier.com; Di. abends, Mi.
abends, Mo. geschl.).

SEHENSWERT
Rund um die Plage de l’Ecluse reiht sich ein
schlossähnlicher Bürgertraum an den anderen – besonders auf der Pointe de la Malouine
westl. und der Pointe du Moulinet östl. des
Strands. Mit der Villa Les Roches Brunes (um
1890) kann man eines der Beispiele der Bäder­
architektur besichtigen (1, Allée des Douaniers;
Führungen über Office de Tourisme).
HOTEL UND RESTAURANT
Das € € € / € Hôtel Saint-Michel verfügt über
Zimmer mit Designertouch (54, Boulevard
l’Hôtelier, Tel. 02 99 73 81 60, www.hotel-saint
michel-dinard).
Das € € ­B alafon bietet Bistroküche (31, Rue de
la Vallée, Tel. 02 99 46 14 81; So. abends, Mo., außer Juli–Aug. auch Do. abends geschl.).
UMGEBUNG
Bei der Besichtigung der Usine Marémotrice
an der Rance-Mündung erlebt man, wie Ebbe
und Flut pro Jahr bis zu 600 Mio. kW Energie
erzeugen (www.energie.edf.com; www.edf.fr,
wegen des Anti-Terror-Programms Vigipirate
nur Besichtigung des Espace découverte, Mo.
bis Sa. 9.00–12.30, 14.00–17.30 Uhr).
INFORMATION
Office de Tourisme, 2, Boulevard Féart,
F-35802 Dinard, Tel. 08 21 23 55 00*,
www.dinardemeraudetourisme.com

Tipp

Delfine in der
Bucht von Cancale
Los geht es in Port-Mer bei Cancale, wo
die „Tursiops II“ mit einem Führer und
den Besuchern ablegt. Unterwegs erfährt man, wie der Meeresborstenwurm
die Sandkorallen im Tideland schafft
oder dass sich Wale nicht in die Bucht
verirren, weil das Wasser zu seicht ist.
Tümmlern und Delfinen hingegen reicht
der Wasserstand in der Bucht des Mont
St-Michel.
INFORMATION
Association Al-lark, 50, Rue Pierre et
Marie Curie, F-35260 Cancale,
Mobil-Tel. 06 78 71 41 09,
www.al-lark.org

JA
NATÜR
LICH
6

RENNES UND DER NORDEN
38 – 39

Dinan

Dinan (11 000 Einw.) ist mit seinen kopfstein­
gepflasterten Gassen, blumengeschmückten
Fachwerkfassaden und der Burg Inbegriff einer
mittelalterlichen bretonischen Stadt.
SEHENSWERT
Auf der vom Hafen in die Oberstadt ansteigenden Rue du Jerzual zeugen Häuser wie die
Maison du Gouverneur (Nr. 24) von mittelalterlichem Wohlstand. Weiter oben gilt das Viertel
um Place des Merciers, Rue de l’Apport
und Place des Cordeliers als das am besten
erhaltene mittelalterliche Ensemble der Bre­
tagne. Byzantinisch-persischer Einfluss ist am
Portal der romanischen Basilika St-Sauveur
(12. und 16. Jh.) unverkennbar. Über der Burg
aus dem 14. Jh. ragt der Donjon 34 m auf;
­d rinnen zeigt das Museum eine Sammlung zur
Stadtgeschichte (Juni–Sept. tgl. 10.30–18.30,
sonst tgl. 13.30–18.30 Uhr). Die Aussicht vom
Donjon auf Stadt und Tal ist umwerfend.
VERANSTALTUNG
Zur Fête des Remparts werden die Stadtmauern von 800 Laiendarstellern in mittelalterlichen Kostümen in Szene gesetzt (alle zwei
Jahre 3. Aug.-Wochenende, nächstes 2021).
UMGEBUNG
Der Canal d’Ille-et-Rance ist ein technisches
Meisterwerk, begonnen unter Napoleon Bonaparte. ­S ehenswert ist die „Echelle“ in Hédé-­
Bazouges (25 km südöstl.), eine Abfolge von elf
Schleusen auf ­h albem Weg nach Rennes. In der
Maison du Canal ­d okumentiert ein Museum
die Geschichte des ­Wasserwegs (http://mai
sondu ­c anal.free.fr; Juli, Aug. tgl. 10.30–12.30
und 13.30–18.00, Mai, Juni, Sept. und Okt. Mi.
bis Mo. 14.00–18.00, sonst Mi. und So. 14.00
bis 17.00 Uhr).

AM ABGRUND ENTLANG
Seit 2019 trägt das Cap Fréhel das Label „Grand Site

de France“. Der Grund: Selbst an den unversehrten Küsten der
Bretagne sind Fauna und Flora selten so intakt wie hier, wo die
abenteuerliche Wanderung beginnt. Vor dem Start kann man sich
bei der Besteigung des Leuchtturms warmlaufen. Der umwerfende
Blick über die Smaragdküste ist die 142 Stufen allemal wert.

Welche Vögel in den Felsen brüten, erklärt eine Tafel auf
Höhe des Vogelschutzreservats La Fauconnière. Die schwarz-weiße
Trottellumme ist der am einfachsten erkennbare Vogel, denn anders als Dreizehenmöwe, Papageientaucher und Tordalk läuft die
Trottellumme nicht auf den Zehen, sondern auf den Fußwurzeln –
was ihr einen merkwürdigen Gang beschert.
Wanderer hingegen laufen in festem Schuhwerk gen Osten

zum Fort La Latte. Verlaufen unmöglich! Zum einen ist der Küstenwanderweg (GR 34), der einem Zöllnerpfad aus Napoleonischer
Zeit folgt, mit einem rot-weißen Doppelbalken bestens markiert.
Zum anderen lassen Klippen und Abgründe gar keine andere
Wahl, als auf dem schmalen, felsigen Weg zu bleiben. Schwindel­
frei sollte man aber sein, denn der Blick fällt bis zu 70 Meter in
die Tiefe zum mal tintenblauen, mal smaragdgrünen Atlantik.

INFORMATION
Office de Tourisme, 9, Rue du Château,
F-22100 Dinan, Tel. 08 25 95 01 22*,
www.dinan-capfrehel.com

7

Cap Fréhel

Rosa Fels, petrolblaues Meer und tiefgrüner
Wiesenflor bestimmen die Farbsymphonie am
Kap. Im Frühjahr leuchten Heide und Ginster
über der 70 m ins Wasser stürzenden Felskante. In den Felsen nisten Lummen und Konsorten – das Kap ist Vogelschutzgebiet.
UMGEBUNG
Am Parkplatz Fort La Latte beginnt ein Wanderweg TOPZIEL durch dichten Eichenwald.
Am Menhir „Gargantuas Finger“ taucht man
wieder aus dem Wald auf. In der Ferne leuchten die roten Granitmauern des Forts aus dem
14. Jh. (www.lefortlalatte.com; Juli und Aug. tgl.
10.30–19.00, April–Juni und Sept. tgl. 10.30 bis
18.00, sonst Sa. und So. 14.00–17.30 Uhr). Der
Küstenwanderweg GR 34 säumt die Bucht
Anse des Sévignés bis zum Cap Fréhel (3,5 km).

Am Anfang und am Ende stehen beeindruckende Bauten: Leuchtturm und Fort.

Heidekraut blüht lila, Ginster leuchtet gelb. Dann taucht das

Fort La Latte auf, das seit dem 14. Jahrhundert auf einer vom Meer
umtosten Felszunge thront. Der mittelalterliche Bau wurde von
Vauban im 17. Jahrhundert zur Festung umgebaut. Nach der Besichtigung von Verliesen, Donjon und Wachsaal wandert man auf
demselben Weg zurück, diesmal immer mit dem Leuchtturm am
Cap Fréhel im Blick.
Start–Ziel: Cap Fréhel–Fort La Latte
Länge/Dauer: 10 km (hin und zurück)/2,5 Std.
Öffnungszeiten: Leuchtturm am Cap Fréhel: April–Okt., bei Nebel,
starkem Regen und/oder Wind geschl., 3 €
Fort La Latte: April–Juni, Sept. tgl. 10.30–18.00, Juli–Aug. bis 19.00,
sonst Sa., So., Fei. 13.00–17.00 Uhr, 6,50 €, www.lefortlalatte.com

CÔTE DE GRANIT ROSE
40 – 41

Côte de Granit rose

*

LA BRETAGNE
EN ROSE
*

In zartem Rosa und Vio­lett erscheinen Kaps, Klippen und
Felsen an der Côte de Granit
Rose. Wind und Wetter haben
einige Felsen zu bizarren Formationen abgeschliffen. Blaulila
Schmucklilien setzen Kontraste,
besonders auf der Île de Bréhat,
deren mediterrane Flora alles
Unken über das ruppige Klima
der Bretagne Lügen straft.
Erquys Plage Caroual: Wie viele Strände der Bretagne wird auch
dieser Sandstrand bei Ebbe fast kilometerbreit.

Auf dem Sentier des Douaniers nach Ploumanac’h bei Perros-Guirec: Auf den bizarren Granitfelsen
steht seit 1945 dieser 15 Meter hohe Leuchtturm.

Bei Ebbe bevölkern die Muschel­
sucher nicht nur in der Bucht von
St-Michel-en-Grève die Strände.

CÔTE DE GRANIT ROSE
42 – 43

Zu den klassischen Bretagne-Motiven gehört das Steinhaus an der
­L andspitze Le Gouffre nahe dem Pointe du Château.

A
Vom Großen ­Wanderweg
GR 34 lässt sich die
­gesamte ­B retagneküste
­e rkunden – vom Mont-StMichel bis zu den Salz­
feldern von ­Guérande.

ussortiert wird bereits an Bord
der 250 zum Fang von Jakobsmuscheln in der Bucht von
St-Brieuc zugelassenen Kutter. Mit dem
Messstab in der Hand wird jede Jakobsmuschel, die den vorgeschriebenen Mindestdurchmesser von elf Zentimetern
unterschreiten könnte, überprüft und
bei zu kleiner Größe zurück ins Meer ge­
worfen.
Zweimal pro Woche dürfen die Schiffe
während der Saison von Oktober bis
Meeresboden abgrasen. Der
März den ­
sigen,
Fang der Muschel mit dem nus­
leicht Richtung Vanille tendierenden Geschmack ist so streng reglementiert wie
bei ­keinem anderen Schalentier. Oft beträgt das zugelassene Zeitfenster für die
Fischer nur 45 Minuten, während der
­
nicht selten die Gendarmen mit dem
Feldstecher am Strand stehen und jeden
Arbeitsschritt beobachten. Manchmal
kreist zudem der Hubschrauber der Küstenpolizei über den Booten, an deren
Seite die schweren Metallnetze ins
Wasser hinabgelassen werden. Zehn
­
­Minuten lang werden die Netze über den
sandigen Boden gezogen.
Oben steht die Mannschaft bereits mit
besagtem Messstab bereit. Flott wird der
Fang sortiert und in Säcke verpackt. Um

die 7000 Tonnen landen so pro ­Saison in
den Fischauktionshallen, auf den Tellern
der Restaurants und auf der Fête de la
Coquille St-Jacques. Das Fest findet
­
Anfang April abwechselnd in E
­
­rquy,
St-Quai-Portrieux oder Loguivy-sur-Mer
statt, den wichtigsten Häfen für den
Fang der Jakobsmuscheln in der Bucht
von St-Brieuc. Zurück bleiben Berge von
Schalen, die sich die Jakobspilger im Mittelalter als Erkennungszeichen an den
Hut steckten.

Vue sur Mer vom Wanderweg
Ihren Höhepunkt erreichte die Zahl der
Zöllner an den französischen Küsten unter Napoleon: 35 000 Staatsbedienstete
waren auf den Sentiers des Doua­niers
unterwegs. Ihre Aufgabe war es, vom
Zöllnerpfad aus jede verdächtigte Bewegung auf See und an Land festzu­stellen,
um so die Konkurrenz durch englische
oder niederländische Waren abzuwehren. Fini.
In Zeiten der Globa­lisierung hat der
Sentier des Douaniers als Schutz gegen
illegale Einfuhren ausgedient und erfreut sich nun umso g­ rö­ßerer Beliebtheit
als Küstenwanderweg. Kennziffer: GR 34,
Markierung: rot-weißer Doppel­
balken.
Das prominenteste Stück in der Bretagne

Vor Perros-Guirec
­liegen die Sieben
­I nseln, allesamt
­Vogelschutzgebiete.
­A llein die Île aux
­M oines, die Insel der
Mönche mit ihrer
Klosterruine, darf
­b etreten werden.

folgt den rosa­farbenen Felsformationen
zwischen Trégastel und Perros-Guirec.
Bizarr geformte ­Felsen wie die „Hexe“,
die „Flasche“ und die „Liebeslaube“
­säumen den Weg.
Am Horizont ragt mit der Réserve
Naturelle des Sept Îles Frankreichs
­
größtes Vogelschutzgebiet aus dem
­
­tintenblauen Atlantik. Papageientaucher
und Bass­tölpel bleiben auf den sieben
Inselchen bis auf wenige autorisierte Besucher ­unter sich. Etwas anders verhält
es sich auf dem Sentier des Douaniers.
An die 800 000 Besucher pro Jahr spa­
zieren und wandern am schönsten Abschnitt der rosa Granitküste.

Einen Heiligen für jeden Bedarf
Die Schar bretonischer Heiliger, die in
Rom kein Kleriker kennt, ist gewaltig.
7777 Heilige sollen in der Bretagne verehrt werden, einer gegen jedes Zipperlein, für jeden Bedarf und für ­jeden Beruf. Ihre Namen lauten ganz bretonisch
Armel, Budoc, Efflam, Goneri, Kado,
Maudez oder auch Tugdual. L
­etzterer
war der Legende nach eng­lischer Herkunft und der erste von 80 Bischöfen, die
bis zur Französischen ­Revolution die Geschicke in Tréguier bestimmten.
Das Städtchen am Zusammenfluss
von Guindy und Jaudy verdankt den ab
540 hier residierenden ­
Kirchenfürsten

Special

Prominenz

Wem gehört die Bretagne?
Einige der fotogensten Anwesen an
der Granitküste sind architektonische Ikonen der Bretagne. Ihre Besitzer aber fühlen sich vom Ansturm
der Touristen terrorisiert.
Wir wissen nicht, was Dieter „Didi“
Hallervorden von den Neugierigen
hält, die mit Feldstecher und Kamera
ein Bild von seinem Zweitwohnsitz
auf dem winzigen Felseiland Cos­ta­
érès erhaschen wollen. Der Komiker
kaufte das Inselchen samt der aufgepfropften neugotischen Burg 1988.

An der Pointe du Château nördlich Tréguier

Gut 100 Jahre zuvor vollendete hier
der polnische Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz den Roman
„Quo Vadis“, weshalb auch Neugierige, die mit Hallervorden w
­ enig anfangen können, gern einen Blick aufs
Anwesen werfen. Mehr als gestört
vom Interesse an seinem zweifellos
grandios gelegenen Haus war der
tümer einer anderen bretoniEigen­
schen Ikone. An der Pointe du Château nehmen ­riesige Felsen ein Granithäuschen in die Zange. Lange
waren Haus und Felsen bild­
licher
Inbegriff der Côte du Granit rose.
­
Werbeclips, Werbeshootings, Urlauber,
die über die Mauer kletterten, um ein
Foto zu machen – irgendwann wurde
es dem ­Eigentümer zu viel. Es darf
sich freilich jedermann den Villen am
Strand und auf den Felsen ein
­bisschen nähern. Die Loi Littoral von
1976 bestimmt einen Streifen von
drei Metern entlang der franzö­
si­
schen Küsten zu öffentlichem Grund.

CÔTE DE GRANIT ROSE
44 – 45

Die Hafenstadt Paimpol lebt nicht mehr von der Islandfischerei,
sondern längst vom Tourismus.

Locquirec: Am Strand Les Sables Blancs kann das Wasser auch
im Sommer ziemlich frisch sein.

Perros-Guirec liegt am wohl schönsten Küstenabschnitt der rosa Granitküste.
Und nicht nur an der Plage de Trestraou ist alles auf Wassersport eingestellt.

Südöstlich von Paimpol sind die
verwunschen wirkenden Ruinen
von Beauport zu finden. Die Abtei
wurde 1202 gegründet und ist
heute für ihre musikalischen Ver­
anstaltungen bekannt.

Cidre der Domaine de Kervéguen in Guimaec
und ihr Besitzer Eric Baron im Fasskeller
(Mitte links und oben)

CÔTE DE GRANIT ROSE
46 – 47

Einst herrschten hier Tuchmacher: Quintins
kopfsteingepflasterte Altstadt.

sein dank dreitürmiger Kathedrale, barockem Bischofspalast und hochgotischem
Kloster beeindruckendes Zentrum.
Wichtiger aber als der Stadt- und Bistumsgründer Tugdual ist der hl. Yves.
Denn der bedeutendste Heilige der
­Bretagne kam 1253 im nahen Minihy-Tréguier zur Welt, studierte später in P
­ aris
Theologie und Recht, starb jedoch als
Prediger und Verteidiger der Armen
1303 in der Heimat. Sein ausgespro­chen
stark ausgeprägter Rechtssinn machte
ihn zum Schutzpatron der Juristen. Am
Grand Pardon, zu dem am dritten Sonntag im Mai die Schädelreliquie des auch
in Rom als heilig anerkannten Yves in
feier­licher Prozession durch Tréguier ge­
tragen wird, nehmen daher viele Anwälte und Richter in ihren offiziellen Roben teil.

Le Paris–Brest
1851 kam der Fortschritt nach Nantes.
Die Eisenbahn erreichte die ehemalige
Hauptstadt der Bretagne, und von hier
aus ging der Siegeszug des Schienenstrangs unaufhaltsam weiter. Bereits
1865 rollte der erste Zug der 1855 gegründeten Eisenbahngesellschaft Compagnie des Chemins de Fer de l’Ouest in
den Bahnhof von Brest ein. Statt zuvor

Wie ganz Frankreich entzückt die Bretagne mit Backwaren für die Hand –
als süße Köstlichkeit oder handfest und rustikal mit Fleisch und Wurst.

sechs Tage in der Postkutsche rückte die
Hafenstadt auf gut 40 Zugstunden an
­Paris heran. Noch musste jeder Passagier,
der eine Departementsgrenze überfuhr,
einen Pass mit sich führen.
Mit dem Bau der Eisenbahn veränderte sich nicht nur das Leben, sondern
auch das Bild vieler Städte. Krönendes
Beispiel ist der Viadukt von Morlaix.
Kein noch so hoher Mast im Hafen kann
es mit den sich in schwindelerregender
Höhe über der fjordartigen Rivière de
Morlaix spannenden Bogen aufnehmen.
Für den 58 Meter hohen und 292 Meter
langen Viadukt musste seinerzeit allerdings ein komplettes mittelalterliches
Viertel weichen.
Nichts zu tun hat die Eisenbahnlinie,
die erst dank des Viadukts von Morlaix
eröffnet werden konnte, übrigens mit
dem Kuchen gleichen Namens. Le Paris-Brest ist gerade wieder in Mode. Es
handelt sich um einen Windbeutelreifen
mit Cremefüllung, der Form und Namen
­einem Radrennen von – man ahnt es –
Paris nach Brest verdankt.

Cidre für den Elysée
Sie heißen Marie Ménard, Doux Coet,
Fréquin Rouge oder auch Peau de Chien
und fallen ab Oktober mit dumpfem

Laut in die gemähte Apfelwiese. „Das
Mähen ist wichtig, um zu vermeiden,
dass zu viel Gras mit den Cidreäpfeln
eingesammelt wird“, erklärt Eric Baron
auf seinem Hof, der sich in den grünen
Hügelkuppen des Hinterlands der Bucht
von Lannion versteckt. Das Schicksal der
Cidreäpfel ist die Presse, nicht irgendeine freilich, sondern eine Champagnerpresse, mit der die Cidreäpfel besonders
sanft und langsam um ihren köstlichen
Saft erleichtert werden.
Der schlaksige Cidrebauer mit der
­Pudelmütze auf dem Kopf hat in Rennes
Soziologie studiert. Als die aus dem
15. Jahrhundert stammende Domaine du
Kervéguen vor gut 25 Jahren zum Verkauf stand, änderte der damals 22-Jährige seine Pläne radikal. In kometenhaftem Aufstieg wurde Eric B
­aron zum
wohl besten Cidrehersteller der Bretagne. Die Spitzencuvée „Carpe Diem“
kostet stolze 13,50 € – pro ­Flasche. Geschmacklich ist der aromenkonzentrierte
Apfelwein Lichtjahre von einem Supermarktcidre zu einem Fünftel des Preises
entfernt. Seit 1997 wissen das auch die
französischen Präsidenten zu schätzen.
Bei Staatsempfängen wird der bretonische Cidre im Pariser Elysée ausgeschenkt.

ZUR
SACHE

Wohnen in Schloss und Herrenhaus

HERRSCHAFTLICH
NÄCHTIGEN
Im französischen Westen finden sich überall Châteaux (Schlösser) und Manoirs
(Herrenhäuser). Nicht immer sind die Hausherren heute noch von Adel. Und so stehen
die feudalen Anwesen immer öfter zahlenden Gästen zur Übernachtung offen.

D

er Manoir des Portes im Osten
von Lamballe erinnert mit
weitem
­Natursteinmauern,
Gartenhof und Gemüsegarten an
einen Gutshof. Doch das denkmal­
­
geschützte Anwesen aus dem 16. Jahrhundert wird seit Langem als Hotel
betrieben. Die Zimmer sind aus­
gesprochen gemütlich und verbinden
altes Gebälk mit modernem Komfort.
Die Marmeladen zum Frühstück werden hausgemacht, der Honig stammt
vom Imker nebenan, der Bol für den
Milchkaffee ist gepunktet – mehr
ländlicher Charme geht nicht. Es gibt
zudem ein Restaurant. Was der Chef
de Cuisine je nach Angebot auf den
Märkten des Landstrichs vorschlägt,
huldigt der Bretagne und steht auf
­einer Schiefertafel.
Das im Franzö­sischen sprichwörtliche „Vie de Château“ versprechen Vicomtesse Joelle und Vicomte Louis du
Fou de Kerdaniel ihren Gästen. Das
adelige Paar mit alten bretonischen
Wurzeln ist seit 1982 Hausherr im
ar
Château de Bonabry. Ein 25 Hekt­
großer Park umgibt den barocken
Bau, der auf den Fundamenten eines

Besonders der weitläufige Park macht
das Château de Bonabry so attraktiv.

wesentlich älteren, spätmittelalter­
lichen Manoirs ruht. Eine Allee mehrerer hundert Jahre alter Eichen führt
zum denkmalgeschützten Anwesen,
dem ein wuchtiger Turm ein wehrhaftes Äußeres verleiht. Madame du
Fou de Kerdaniel kommt gerade aus
dem ­Rosengarten auf der Rückseite
und bittet in den großen Salon, wo
man unter den Ahnenporträts willkommen geheißen wird. Das Schloss
ist eines der wenigen an der bretonischen Nordküste, das ganzjährig bewohnt ist. Um die enormen Unterhaltskosten zu bewältigen, bieten die
Schloss­herren, die sich übrigens eher
als „Gärtner, Köche, Putzfrauen und
Reitlehrer“ verstehen, zwei Suiten,

zwei Gästezimmer und eine Ferienwohnung an. Der Zauber alten Parketts, antiker Möbel und vergoldeter
Spiegel scheint besonders bei ausländischen Gästen zu verfangen, die über
die Hälfte aller Übernachtungsgäste
ausmachen.
Der Manoir de Kerguéréon verzaubert mit einem rapunzelwürdigen
Eckturm, der das auch als erfolgreiches Gestüt geführte Anwesen überragt. Platz gibt es hier reichlich, etwa
für den Aperitif im Rosengarten oder
ein gemütliches Frühstück am Kamin.
Moderne Bäder und der Charme
mannshoher Kamine bürgen für Behaglichkeit in den drei Chambres
d’hôtes, wie die französische Variante

CÔTE DE GRANIT ROSE
48 – 49

Hier lässt sich wunderbar
schnuppern: der Rosen­
garten des Manoir de
­Kerguéréon.

Auch ein kleiner Regenguss kann der Ge­
mütlichkeit nichts anhaben: Antiquitä­
tengeschmücktes Manoir de Kerguéréon.

des B&B heißt. Alle sind mit Antiquitäten aus Familienbesitz möbliert,
und alle sind geräumig und bieten
ausgesprochene Verweilqualität.

Informationen
La Poterie, Le Manoir des Portes, F-22400 Lamballe,
Tel. 02 96 31 13 62, www.manoirdesportes.com; DZ ab 73 €
Château de Bonabry, F-22120 Hillion, Tel. 02 96 32 21 06,
www.bonabry.fr; DZ ab 90 €, Ferienwohnung ab 500 €/Woche
Manoir de Kerguéréon, F-22300 Ploubezre,
Tel. 02 96 38 80 59, http://de-bellefon-arnaud.e-monsite.com;
DZ ab 120 €
Manoir de la Hazaie, F-22400 Planguenoual, Tel. 02 96 32 73 71,
www.manoir-hazaie.fr; DZ ab 145 €
Manoir de L’Isle, F-22300 Ploumilliau, Tel. 06 61 15 02 01,
www.manoirdelisle.com; DZ ab 125 €
Manoir de Kergrec’h, F-22820 Plougrescant, Tel. 02 96 92 59 13,
www.manoirdekergrech.com; DZ ab 128 €
Weitere Adressen im Internet unter www.charme-­bretagne.com
und www.bienvenueauchateau.com

Etwas bescheidener wirkt der Manoir de la Hazaie – allerdings nur auf
den ersten Blick. Wer hingegen das
wuchtige Granitgemäuer betritt,
verfällt umgehend dem Glanz von
­
Kristalllüstern, Baldachinbetten und
handverlesenen Antiquitäten. Das
Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert
verbirgt sich in einem gepflegten
Park, zu dem ein Pool gehört. Der
Strand von Pléneuf-Val André liegt
aber auch nur ein paar Kilometer entfernt. Prominente Gäste wie der Regisseur Luc Besson und der Schauspieler Ben Harper sind hier bereits
abgestiegen. Und die amerikanische
New York Times, das französische
Hochglanzmagazin Côté Ouest, die
britische Sunday Times berichteten –
auch vom Candlelight-Dinner im
blauen Salon, für das man allerdings
reservieren muss.
Ein echtes Hideaway: Der Manoir
de L’Isle verbindet ländlichen Charme
mit einem Hauch Luxus und Design –
das Ganze in stiller, abgelegener Lage
und doch nur einen Katzensprung
vom Meer entfernt. Das 300 Jahre alte
Herrenhaus wurde erst kürzlich saniert. Geblieben sind alte Bruchsteinmauern und schwere Balken, hinzugekommen ist eine kräftige Prise
Landhaus-Chic. Es gibt hier nur fünf
Zimmer, die sich auf die Gebäude
rund um einen ­begrünten Hof verteilen, sowie eine separate Hütte mit
Garten. Das Frühstück mit lokalen
und Bio-Produkten ist ein wahrer Genuss, von Mittwoch bis Sonntag servieren die freundlichen Gastgeber
Philippe und Patricia auch ein delikates Menü.
Ein letzter Tipp: Der Manoir de
Kergrec’h war im 17. Jahrhundert bischöfliche Sommerresidenz, wurde
nach einer langen Phase des Verfalls
Jahren restauriert und
vor wenigen ­
beherbergt heute ein Dutzend komZimmer. Doch der Clou
fortabler ­
kommt noch: Der majestätische Park
rund um das schon allein durch seine
Größe beeindruckende Anwesen
reicht bis ans Meer. Wo er endet, lädt
der Küstenwanderweg GR 34 zum Erkunden der rosafarbenen Granitküste
ein. Abends auf dem Zimmer dann
hört man allerhöchstens das Meer
rauschen.

CÔTE DE GRANIT ROSE
50 – 51

Die Winzinsel Costaérès bei Plou­
manac’h ist heute samt „Château“
im ­B esitz des Schauspielers „Didi“
Haller­v orden und lässt sich sogar
mieten – für einen fünfstelligen
Betrag pro Woche (Infos unter:
www.vladi-private-islands.de).

5
4
6

3
7

1

2

INFOS & EMPFEHLUNGEN

CÔTE DE GRANIT ROSE
52 – 53

Felswege mit Seeblick
Die touristische Hauptachse der rosa Granitküste ist der Zöllnerpfad Sentier de Grand
Randonnée 34. An seinem Verlauf türmen sich bizarre Felsformationen. Mit etwas Glück
taucht eine Kegelrobbe im Wasser auf. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
bekommt man hingegen Basstölpel und Austernfischer zu Gesicht.
1

Erquy

Das Städtchen (3900 Einw.) leuchtet in hellrosa
Sandstein, so wie das gleichnamige Kap weiter
im Norden. Erquy gilt als „Hauptstadt der
­Jakobsmuschel“. Es gibt sieben Strände.
AKTIVITÄT
Ein gut einstündiger Spaziergang führt vom
Parkplatz oberhalb des Hafens durch eine
krautige Heidelandschaft zum zerklüfteten
Cap d’Erquy – an dem auch der Stein für den
Pariser Triumphbogen gebrochen wurde. Eine
18 km lange Rundwanderung am Kap vorbei
beginnt am Hauptstrand von Erquy (Broschüre
mit Wanderouten im Office de Tourisme).
INFORMATION
Office de Tourisme, 3, Rue du 19 Mars 1962,
F-22430 Erquy, Tel. 02 96 72 30 12,
www.capderquy-valandre.com

2

St-Brieuc

In die Hauptstadt des Departements Côtes
d’Armor (46 000 Einw.) kommt man nicht
­w egen des Strandes oder zum Sightseeing.
Dafür bietet St-Brieuc, bereits im 6. Jh. an tiefen Talschlünden gegründet, als Abwechslung
­m oderne Kauf­h äuser und flotte Boutiquen.
SEHENSWERT
Rund um die Place Martray mit der Fisch­
markthalle schaffen Fachwerkhäuser und
schmale Gassen Altstadtheimeligkeit. Die
­K athedrale St-Etienne geht aufs 12. Jh.
­z urück, wurde jedoch bis ins 19. Jh. umgebaut;
ihr Westwerk mit schlichtem Portal und zwei
wehrhaften Türmen wirkt wie eine Festung.
UMGEBUNG
Moncontour (südöstl.) war im Mittelalter ein
wichtiger Handelsplatz und zählt wegen des
Stadtbilds aus dieser Zeit zu den „schönsten
Dörfern Frankreichs“. Die Fête Médiévale (Mittelalterfest) am 1. Aug.-Wochenende wird mit
großem Umzug und Kostümen ge­f eiert, nächster Termin ist 2021 (www.capderquy-valandre.
com/moncontour). Ähnlich zauberhaft ist das
alte Tuchmacher­s tädtchen Quintin (südwestl.). Sein Zentrum scheint nur aus Herrenhäusern und dem ­C hâteau (17. Jh.) zu be­
stehen (www.tourismequintin.com).

Marktleben in Quintin (oben). ­V illen säumen in
Perros-Guirec die Küste (rechts oben). An
­E rquys Plage Caroual (rechts unten)

INFORMATION
Office de Tourisme de la Baie de St-Brieuc,
2 quater, Rue des Lycéens Martyrs, F-22044
St-Brieuc Tel. 02 96 33 32 50, www.baiede
saintbrieuc.com

SEHENSWERT
Die Abteiruine von Beauport im südwestl.
Ortsteil Kérity verbirgt sich hinter Bäumen und
Sträuchern. Das Gemäuer verwuchs mit der
üppigen Vegetation zu einem verwunschenen
Ort (Route de St-Brieuc, www.abbayebeauport.
com; Juli–Sept. tgl. 10.30–19.00, April–Juni tgl.
10.30–12.30 und 14.00–18.00, sonst tgl. 14.00
bis 18.00 Uhr).

Hinüber auf die Île de ­B réhat geht es in nur
10 Min. mit der Fähre von der Pointe de l’Arcouest. Dort bordet Oleander übers Gemäuer,
Geranien und Hortensien erreichen rekordverdächtige Ausmaße. Selbst Mimosen, Palmen
und Feigen gedeihen prächtig. Ein Isthmus
trennt Bréhat in eine spröde Nord- und eine
lieb­liche Südinsel; eine Steinbrücke aus dem
18. Jh. verbindet beide. Immer wieder staunt
man über Felsen, die mit den Häusern verwachsen scheinen. Rund um Bréhat schillert
das Wasser in einer Palette aller Blautöne von
Türkis bis Nachtblau. Und bei Ebbe tauchen
Hunderte winziger Inseln und Felsen auf (www.
brehat-infos.fr). Zauberhaft!
Im Provinzstädtchen Guingamp spielt sich das
­L eben im Umfeld der gotischen Basilika NotreDame-de-Bon-Secours, der Place du Centre,
des Châteaus und des barocken Rathauses ab,
­e inem ehem. Kloster an der Place de Verdun.

UMGEBUNG
In Ploubazlanec sind auf dem Friedhof an der
Mur des Disparus en Mer die Namen auf See
gebliebener Islandfischer vermerkt.

HOTEL UND RESTAURANT
€ € La Demeure ist von erfreulich anderer Art:
Das Herrenhaus aus dem 18. Jh. wird wie ein
Guest House geführt. Dazu gehört ein fami­

3

Paimpol

Fast 100 Großsegler lagen einst im Hafen. Am
Quai Morand erinnern stolze Reederhäuser an
den Wohlstand, der vor allem im 19. und 20. Jh.
dank waghal­s iger Islandfischerei nach Paimpol
(7200 Einw.) kam.

INFOS & EMPFEHLUNGEN

liäres Bistro, das nachmittags zum Salon de
Thé, abends zur ­Table d’hôte wird (5, Rue du
Général-de-Gaulle, F-22200 Guingamp, Tel.
02 96 44 28 53, www.­d emeure-vb.com). Von den
lichten Zimmern des € € Les Ter­r asses de
Bréhat schaut man ­h inüber auf die Île de
­Bréhat. Im Restaurant Le 360 ist der Rundum­
blick umwerfend und die Küche ambitioniert
(Pointe de l’Arcouest, F-22620 Ploubazlanec
Tel. 02 96 55 77 92, www.lesterrassesdebrehat.fr).
INFORMATION
Office de Tourisme, Place de la République,
22500 Paimpol, Tel. 02 96 20 83 16,
www.guingamp-paimpol.com

4

Côte de Granit bei Ploumanac’h (links); „Trésor“
in Tréguiers Kathedrale (rechts oben); Maison
de la Duchesse Anne in Morlaix (rechts unten)

ein (2, Rue ­E rnest-Renan, Tel. 02 96 92 30 27;
Fischhandlung ganzjährig, Restaurant Juli bis
Sept. tgl.).

Tréguier

Die Geschicke des malerischen Tréguier (2500
Einw.) bestimmte von Ankunft des walisischen
­H eiligen Tugdual um 525 bis zur Französischen
Revolution die Geistlichkeit. Die ­K athedrale

Tipp

Die Bretagne
im Hangar
„Mehr als 50 lokale Produkte“ wirbt die
Epicerie an der austerngrauen Fassade.
Soll heißen, im Hangar am Ortsrand von
Paimpol geht es um bretonische Erzeugnisse, die meist aus der Umgebung
stammen: Gemüse, Fischsuppe, Bier,
Käse und Salzbutter direkt vom Hersteller oder vom Bauernhof. Es gibt auch
Bücher zur Bretagne, Pullover von Armor Lux und Algenkosmetika.
INFORMATION
Le Hangar, 8, Rue de Penvern, Paimpol,
Tel. 02 96 16 53 64,
www.le-hangar-22.fr

und das Kloster wurden 1794 geplündert; was
gerettet werden konnte, lässt sich immer noch
besichtigen.
SEHENSWERT
Der barocke Bischofspalast, die romanisch-gotische Kathedrale St-Tugdual
(14./15. Jh.; tgl. 10.00–12.00 und 14.00–18.00
Uhr) und das hochgotische Kloster (15. Jh.)
bilden einen kleinen Vatikan (Juli und Aug. tgl
10.30–18.30, Mai, Juni und Sept. Di.–Sa. 10.30
bis 12.30 und 13.30–18.30, Fr. 14.30–18.30,
März, April und Okt. Di.–So. 14.00–17.30 Uhr);
Le Trésor, der ­K irchenschatz der Kathedrale,
versammelt Meisterwerke der Sakralkunst.
RESTAURANT
Die € € / € Poissonnerie du Trégor lädt über
dem Fischgeschäft von Pierre Moulinet zu einer Fischsuppe und köstlichen Meeresfrüchten

UMGEBUNG
Im schmucken Provinzstädtchen Lannion
­regiert ein durch und durch bretonisch-bourgeoiser Charme. Richtig was los ist in der Stadt
am Do., wenn Markt gehalten wird. Sehens­
würdigkeit ist die Kirche von Brélévenez (um
1200); am Ende der Rue de la Trinité beginnen
die Escaliers: 143 Granitstufen trennen die auf
einem Hügel thronende Kirche vom Zentrum.
INFORMATION
Office de Tourisme, Port de Plaisance,
F-22220 Tréguier, Tel. 02 96 92 22 33,
www.bretagne-cotedegranitrose.com

5

Perros-Guirec

Vom einstigen Fischerdorf blieb kaum etwas,
von den Tagen des Belle-­É poque-Tourismus
umso mehr. Der Hauptort der rosa Granitküste
(7300 Einw.) muss in der Hauptsaison 40 000
Urlauber verkraften. Am Strand verleihen Villen
mit Stilzitaten vom ­L oire-Schloss bis zum Taj
Mahal dem Ufer Dekadenz.
UMGEBUNG
Die Maison du Littoral am Zöllnerweg von
Ploumanac’h führt in Flora, Fauna und Geologie der Küste ein und veranstaltet auch Natur­
exkursionen (Juli und Aug. 10.00–13.00 und
14.00 bis 18.00, sonst Mi. 14.00–17.00 Uhr).
Das Meeresaquarium in Trégastel lockt mit
­e iner Nachbildung des Küstenabschnitts (www.
aquarium-­t regastel.com; Juli und Aug. tgl.
10.00–19.30, April–Juni und Sept. Di.–So. 10.00
bis 18.00, März und Okt. Di.–So. 14.00 bis
17.00  Uhr). Auch das Forum am Coz-PorsStrand fügt sich mit Meerwasserschwimmbad,
Thermen und Fitnessclub harmonisch zwischen
Felsen und Jahrhundertwendehotels ein.
Trébeurden gilt als Tor zur Côte Granit Rose.
Schön ist ein (geführter) Ebbe-Spaziergang auf
die Île Millau, deren botanische Vielfalt verblüfft.
INFORMATION
Office du Tourisme, 21, Place de l’Hôtel
de Ville, F-22700 Perros-Guirec,
Tel. 02 96 23 21 15,
www.tourisme.perros-guirec.com

6

Locquirec

In diesem kleinen, feinen Badeort (1450 Einw.)
möchte man bleiben – nicht nur wegen der
neun Strände und des beschaulichen Hafens.
Ein mildes Mikroklima beherrscht die Halb­
insel. Der Zöllnerpfad führt von Strand zu
Strand. Im Ort flaniert man zwischen ge­
pflegten Villen aus den jungen Jahren des
­B retagne-Tourismus.

Tipp

Schwimmen
mit Kegelrobben
Etwa ein Dutzend Kegelrobben lebt in
der Bucht von Morlaix. Um den Meeressäugern zu begegnen, muss man in
­e inen Taucheranzug schlüpfen. Man
sollte also bereits im Umgang mit
­F lossen, Tauchermaske und Atemgerät
geübt sein. Los geht es mit der „Bretonne“, einem ehem. Fischerboot, zu
den ­u nbewohnten Inselchen des
­P lateau de la Méloine. Beim Sprung ins
Wasser ist Vorsicht geboten. Auf keinen
Fall darf eine Keggelrobbe berührt
­w erden. Nahe kommt man den gescheckten ­Tieren mit etwas Glück trotzdem: Die Robben sind sehr neugierig.
INFORMATION
Tauchzentrum Plougasnou Plongée,
35, Rue du Port, Port du Diben, F-29630
Plougasnou, Tel. 02 98 72 38 78,
www.plougasnouplongee.com

JA
NATÜR
LICH
HOTEL
Das € € € €/ € € € Grand Hôtel des Bains ist
ein weißer „Dinosaurier“ aus dem 19. Jh. mit
­Z immern, die wie auch der Speisesaal und die
Terrassen Vue sur Mer haben. Gleich nebenan:
Park und Atlantik (15 bis, Rue de l’Église,
F-29241 Locquirec, Tel. 02 98 67 41 02, www.
grand-hotel-des-bains.com).
UMGEBUNG
Bei St-Michel-en-Grève (östl.) verschwimmt
der Übergang vom Festland zum Meer. Lieue
de Grève nennt sich der 5 km lange Strand, der
sich bei Ebbe auf über 2 km Breite dehnt. Im
Dorf selbst lohnen Renaissancekirche (17. Jh.)
und Seemannsfriedhof einen Besuch.
INFORMATION
Office de Tourisme, Le Port, F-29241
­L ocquirec, Tel. 02 98 67 40 83, www.baiede
morlaix.bzh/fr/infos-pratiques/vos-offices
-de-tourisme/office-de-tourisme-de
-locquirec/

7

CÔTE DE GRANIT ROSE
54 – 55

UNTER SEGELN
ZU DEN SEPT ÎLES
„Basstölpel nisten immer am selben Platz, immer mit dem-

selben Partner“, erklärt Philippe Biarnez, während das Gekreische
zigtausenderVögel übers Wasser schallt. Der Segellehrer vom
Centre Nautique in Perros-Guirec steuert den vor der rosa Granitküste versprengten Archipel ­regelmäßig mit der zweimastigen „Ar
Jentilez“ an. Bis Windstärke sieben wird zum Birdwatching ausgelaufen, mit maximal zehn Passagieren – wer Lust hat, kann auch
beim Segeln mit anpacken. Der robuste Nachbau eines historischen Algenfischerboots umschifft die Vogelinsel Rouzic, um dann
Kurs auf die Île aux Moines zu nehmen. Sie ist die einzige Insel
des unter Naturschutz stehenden Archipels, die man betreten darf.

Morlaix

Morlaix (14 500 Einw.) zwängt sich in die Tal­
sohle am Zusammenfluss von Jarlot und
­Q ueffleuth. Die Gassen säumen Fachwerk­
häuser. Ebbe und Flut erreichen auch den
Flusshafen, wo ein Mastenwald ­s chicker
­J achten für Küstenatmosphäre sorgt.
SEHENSWERT
Seit 1863 ist der 58 m hohe und 292 m lange
Eisenbahnviadukt das Symbol der Stadt. Von
oben überschaut man Morlaix (Mo.–Fr. 8.00 bis
19.30, Sa. und So. 10.00–19.30 Uhr frei zugänglich). In der mit Fachwerk verzierten Maison
dite de la Duchesse Anne trägt eine Eichensäule die Hauptlast der 11 m hohen Treppe (33,
Rue du Mur, www.mda-morlaix.com; (Juli–Aug.
Mo.–Fr. 11.00–18.00, Sa., So. 14.00–18.00, Mai
bis Juni, Sept. Mo.–Fr. 11.00–18.00, Sa. 14.00
bis 18.00 Uhr). ­Typisch für die Altstadtbebauung ist der Innenhof mit Glasdach.
RESTAURANT
Im € € Grand Café de la Terrasse legte 1901
die erste Tour de France einen Etappenhalt ein.
Das Belle-Époque-Interieur wurde sorgsam
gepflegt. Klassische Brasserieküche (31, Place
des Otages, Tel. 02 98 88 20 25; So. geschl.).
UMGEBUNG
Von Weitem wirkt der 72 m lange und 8 m hohe
Cairn de Barnenez geradezu erhaben. Ausgrabungen ergaben, dass um 3800 v. Chr. mit
den Arbeiten für die Fürstengräber am rechten
Ufer der Reede von Morlaix begonnen wurde.
Einige der Kammergräber sind zu besichtigen
(Mai–Aug. tgl. 10.00–18.00, sonst tgl. 10.00 bis
12.30 und 14.00–17.30 Uhr).
INFORMATION
Office de Tourisme, 10, Place Charles de
Gaulle, F-29600 Morlaix, Tel. 02 98 62 14 94,
www.baiedemorlaix.bzh

Unterwegs mit der „Ar Jentilez“ wie in längst vergangenen Zeiten

Austernfischer und Möwen gieren auf die ­Ankunft der Aus­

flügler, deren Picknick fette Beute verspricht. Kein Stück Baguette,
das auf der Mauer herumliegt, entgeht ihnen. Schon im 15. Jahrhundert haben die Cordeliers-Mönche, denen die Île aux Moines
ihren Namen verdankt, das Eiland verlassen. Von der Garnison,
die ab 1720 an der Westspitze stationiert war, blieb nur ein verfallenes Fort. Der Leuchtturm in der Inselmitte ist seit Langem voll
­automatisiert.

Nach dem Landgang passiert die „Ar Jentilez“ Felsen, die bei

Ebbe Robben als Sonnenbank dienen. Kameras klicken, Fern­gläser
gehen von Hand zu Hand. Die Tiere scheinen von der Aufregung
keinerlei Notiz zu nehmen. Hier möchte man Robbe sein!
Veranstaltet werden die Fahrten vom Centre Nautique de
Perros-Guirec (Plage de Trestraou, F-22700 Perros-Guirec, Tel.
02 96 49 81 21, www.nautisme.perros-guirec.com) dreimal pro
Woche im Juli und Aug. Es gibt Ganz­tagesfahrten (7 Std.), Halb­
tagesfahrten (3 und 4 Std.) sowie Abendfahrten (3 Std.). Für
Schwimmwesten und sonstige Ausrüstung wird gesorgt.
Das Centre Nautique de Perros-Guirec bietet zudem Segel-,
Kajak-, Surf- und Tauchkurse und veranstaltet Ausflüge zum Segeln
oder Surfen und Tauchen sowie Kajak- und Angeltouren.

DER WESTEN
56 – 57

Der Westen

*

EIN GEFÜHL VON
FREIHEIT
*

3400 Seemeilen voraus: Amerika! Wer sich auf den Klippen
im Westen der bretonischen
Halbinsel den Wind um die
­Ohren pfeifen lässt, genießt ein
Gefühl unendlicher Freiheit. Der
alte Kontinent endet hier. Das
Neue ist nicht in Sicht. Diesem
Neuen verdankte Brest seine
Chancen, die es über Jahrhunderte gut zu nutzen wusste.
Der kleine Leuchtturm von Pontusval westlich von
Brignogan-Plage ist ein beliebtes Ziel der Spaziergänger.

Sprungbrett nach Großbritannien
und Irland: Roscoff mit seinem im
Sommer zu besichtigenden
Leuchtturm mitten im Hafen (oben
rechts)
St-Thégonnec gehört zu den be­
kanntesten Kirchhöfen der Bre­
tagne. Ende des 16. Jahrhunderts
finanzierten um ihr Seelenheil
­b esorgte Tuchhändler dieses
prachtvolle steinerne Glaubens­
bekenntnis (oben links und links).

DER WESTEN
58 – 59

Westspitze der
­B retagne: Vogelpara­
dies, Heidelandschaft
und Seglerdorado Île
d’Ouessant

A

n der Pointe de St-Mathieu läuft
der Atlantik Amok. Schaumkämme tauchen im brodelnden
Wasser auf und sinken nieder. Wellen
türmen sich zu Bergen und fallen
­fauchend zusammen. „Höchstens Stärke
sieben“, analysiert die Frau an der Kasse
des Leuchtturms das Naturschauspiel,
während man selbst mit beiden Händen
die Mütze auf dem Kopf festhält. Dann
bringt sie den Besuchern ein paar Brocken
bretonisches Wettervokabular bei. Un
vent à décorner les bœufs – ein Wind,
der den Rindern die Hörner abreißt: So
nennen es die Einheimischen, wenn der
Wind wirklich aufdreht im Finistère.
Finis terrae, Ende der Welt, haben die
Römer den wie eine Halbinsel in den
Atlantik ragenden wilden Westen der
­
Bretagne genannt. Nach Westen folgt für
3400 Seemeilen erst mal nichts. Und
dann Amerika. Die große Entfernung
zum nächsten Kontinent hält Wind und
Wetter nicht davon ab, sich noch über
viele Tausend Kilometer bemerkbar zu
machen. Wenn in der Karibik die Saison
der Tropenstürme beginnt, spürt man
das zerstörerische Wüten bis hierher ins
Finistère. Meterhoch schlagen die Wellen
dann ans Land. In Extremfällen geht
gleichzeitig kaum ein Lüftchen. Macht

une mer sans vent. Ein Meer ohne
Wind – noch so ein Begriff aus dem
breto­nischen Wettervokabular.

Für den besseren Überblick
300 Schiffe fädeln sich täglich durch die
gefürchtete Passage du Fromveur zwischen Ouessant und einem felsigen Archipel im Südosten. Entsprechend lang
ist die Liste der Havarien. Frankreichs
ältester noch immer betriebener Leuchtturm steht daher nicht ohne Grund auf
Ouessant. Der Phare du Stiff wurde 1695
vom Festungsbaumeister Ludwigs XIV.,
von Vauban, entworfen und überblickt
die Passage du Fromveur vom höchsten
Punkt der Insel. Nach dem Untergang des
Tankers „Amoco Cadiz“, der 1978 zu einer Ölpest an der Nordküste der Bretagne führte, wurde dem Phare du Stiff
ein moderner Radarturm beigestellt.
Nachts wirft der Créac’h-Leuchtturm
von Ouessants Nordküste aus einen
­fahlen Strahlenkranz auf das überschaubare Eiland. Fünf weitere Leuchttürme
schicken in nächster Nähe ihr Licht über
die See: Die Küste des Finistère ist die
mit der höchsten Leuchtturm-Dichte
weltweit. La Jument ist der berühmteste
Phare. Ein Foto von Jean Guichard, auf
dem beängstigend hohe Gischtkämme

den ein paar Seemeilen südlich von
­uessant auf einen Fels gepfropften
O
Granitturm zu verschlingen drohen,
­
während der Leuchtturmwärter scheinbar seelenruhig vor der Tür steht, ging
1989 um die Welt. Die hunderttausendfach reproduzierte Aufnahme wurde zur
Ikone der Bretagne und ist dennoch
längst Nostalgie. Automatisierte Leuchtfeuer haben den Wärter ersetzt, doch wie
lange das alle 15 Sekunden dreimal rot
aufflammende Feuer noch leuchten wird,
ist ungewiss. Der 1911 errichtete und so
standhaft wirkende Turm verfällt seit
dem Abzug der Wärter.
Moderne Navigationstechnik an Bord
der Schiffe macht nicht nur La Jument
überflüssig. Nur noch zwei von 46
Leuchttürmen der Bretagne sind bewohnt. 2010 verließ der letzte Wächter
den Phare auf der Île Vierge östlich des
Aber Wrac’h, der seither noch einsamer
aus den Fluten ragt. Für Jean-Philippe
Rocher, den letzten Wächter, gingen fünf
Jahre „wie im Fegefeuer“ zu Ende, „denn
ein Leuchtturm hoch auf See ist die Hölle“.

Bretonische Frömmigkeit
Mit Blick auf ihren Platz im Himmelreich brachten wohlhabende Tuchhändler
und Gerber vom 15. Jahrhundert bis ins

Santecs Plage du
Dossen im Hinterland
von St-Pol-de-Léon

17. Jahrhundert hinein das Geld für so
manchen der umfriedeten Pfarrhöfe des
Léon auf. Nach der Öffnung der englischen Märkte durch den Vertrag von Picquigny 1475 erlebte der Landstrich zwischen dem Fluss Elorn und den Monts
d’Arrée einen wirtschaftlichen Aufschwung. Um 1680 exportierten die Leinenweber des Léon zwei Drittel ihrer
Waren über den Kanal.
Der Verdienst floss auch in die Bauvorhaben der einheimischen Pfarren.
Neben den Kirchen entstanden von
Mauern umfriedete Pfarrhöfe. Einlass
gewährt ein Triumphtor (Porte triomphale). Dahinter befinden sich ein
Beinhaus (Ossuaire) und ein Bildstock
­
mit bäuerlich-naiven Figurengruppen
(Calvaire). Der Enclos paroissial ist ein
Sonderfall der Kunstgeschichte, ein theatralisches Bilderbuch aus unverwüstlichem Granit und ein Zeichen bretonischer Frömmigkeit zugleich.
Beim steinernen Personal nie fehlen
darf Ankou, der Tod. „Ich töte Euch alle“,
ruft der bretonische Sensenmann über
dem Weihwasserbecken in La Roche-­
Maurice aus und führt Landmann,
­Liebende, Arzt und Papst zu einem makabren Tanz. Doch die Musik spielte
bald schon woanders. Als die englischen
Märkte im 17. Jahrhundert wieder ab­
geschottet wurden, ging es mit dem

Special

Artischocken

Der bretonische Prinz
Seit 200 Jahren wird die aus dem
Mittelmeerraum stammende Pflanze
in der Bretagne angebaut. Unter
dem Label „Prince de Bretagne“
macht das Gemüse aus der Gegend
von St-Pol-de-Léon weltweit Furore.
Ceinture dorée, goldener Gürtel, wird
das fruchtbare Umland von St-Pol genannt. Neun von zehn Artischocken,
aber auch drei von vier Blumenkohlköpfen, die in Frankreich geerntet
werden, stammen von hier, zudem
Brokkoli, Eisbergsalat, Lauch, Möhren,
und Zwiebeln. Der mächtige Verband

der Gemüsebauern SICA wurde bereits 1961 gegründet. Proteste gegen
verfallende Gemüsepreise gingen der
Gründung voraus. Die Bauern aus StPol-de-Léon stürmten Rathäuser, blockierten Straßen und entzündeten
Scheiterhaufen aus Artischocken. Der
Großhandel wurde von den aufgebrachten Bretonen ausgeschaltet, die
Feldfrüchte wurden nur noch auf
Dorfplätzen und in den Städten direkt
vom Anhänger verkauft.
3000 Bauern schlossen sich schließlich zur SICA zusammen, schufen das
Label „Prince de Bretagne“, unter dem
heute ihr Gemüse weltweit vermarktet
wird. Frankreichs wichtigster Umschlagplatz für Artischocken und anderes Gemüse ist der Marché du Cadran am Ortsrand von St-Pol-de-Léon.
Hunderte Lose mit dem Qualitäts­label
„Prince de Bretagne“ wechseln hier
pro Stunde den Besitzer, 40 Prozent
davon für den Export. Der Trend?
Geht zu bio, auch bei Artischocken.

DER WESTEN
60 – 61

Vis-á-vis von Brignogan-Plage:
Dünenlandschaft bei Keremma

Reicht wie ein skandinavischer Fjord kilometerweit ins Land:
Aber Benoît an der Côtes des Légendes

Surferparadies Crozon:
Strand an der Anse de Dinan

Der Pont de Recouvrance verbindet seit 1954 Brests Zentrum
beiderseits des Flusses Penfeld.

Léon wirtschaftlich bergab, und das Geld
für weitere umfriedete Pfarrhöfe blieb
infolgedessen aus.

Sturm und Tang

1988 entstand dieses Werk des
Künstlers Marcel Van Thienen in
Brest – sein Name „Recouvrance“
bedeutet nicht nur Erholung, son­
dern ist auch der Name eines
Stadtteils von Brest.

Abers werden die tief ins Land reichenden, trogförmigen Mündungstäler an
der Nordküste des Finistère genannt.
Winzige Häfen verstecken sich im
Schutz der Felswände. Wie schutzlos die
Küstenorte ohne die besondere Topo­
grafie der Mündungstäler dem Atlantik
ausgeliefert wären, zeigt sich im als
­Freilichtmuseum unterhaltenen Weiler
Meneham. Mehrmals wurden die Häuser
vom Sand begraben, den Wellen über
die Reetdächer schaufelten. In den

1950er-Jahren verließen die Einwohner
Meneham endgültig, das nun nach und
nach wieder freigelegt wird.
Ein paar Schritte weiter dümpeln
­Fischerboote unschuldig auf dem Wasser.
Bei sinkender Flut kann man hier und da
einen Algenfischer treffen. Die Pêcheurs
d’Algues der Côte des Abers schneiden
mit der sogenannten Guillotine, einer
Art Sense, die Algen vom Meeresboden
ab. Das Seegras wurde früher an Land
getrocknet und in Granittrögen verbrannt, um daraus natronhaltige Pott­
asche zu gewinnen. Heute ist der Verkauf des nassen Tangs an die
Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie
lukrativer. Wichtigster Umschlagplatz

DER WESTEN
62 – 63

Von Brests Château genannter Festung geht der Blick über den Fluss auf den im 14. Jahrhundert errichteten Wachtturm
Tour Tanguy, der eine umfangreiche Dioramensammlung zum Brest von gestern beherbergt.

ist der Hafen von Lanildut an der Mündung des Aber Ildut. Bei Ebbe laufen die
Tangkutter aus, um zwischen den Riffen
das Seegras abzuernten. Der Scoubidou,
ein hydraulisch betriebener Kranarm hat
die tra­ditionelle Guillotine ersetzt. Vom
Kai ­
bringen Lastwagen die glitschige
Fracht in eine der beiden Fabriken nach
Lannilis oder Landerneau, wo die Algen­
ernte weiterverarbeitet wird.
Doch Alge ist nicht Alge. 370 Arten
wachsen an der Côte des Abers – das bedeutendste Algenfeld Europas. Am meisten verbreitet ist der an den Bläschen erkennbare und zu den Braunalgen
gehörende Blasentang, der als exzellenter Dünger gilt.

Frankreichs maritimer Naturpark
Nebelschwaden huschen über den ratzekahlen Buckel des Ménez-Hom. Wo
Wind und Wetter den Heiligen Berg der
Bretagne nicht gänzlich glattgescheuert
haben, ducken sich knöchelhohes Heidekraut, windverzurrter Ginster und Farn
vor der steifen Brise weg. Moospolster
leuchten fluoreszierend grün. Der
330 Meter hohe Berg ist ein magischer
Ort. De Gaulle nutzte seinen ersten Tag
im Ruhestand zur Besteigung. Tauchte
jetzt der Schatten des ehemaligen franzö­
sischen Präsidenten aus dem Nebel auf,
man würde sich nicht wundern, ebenso
wenig wie über einen mit Sichel und
Zaubertrank bewaffneten Druiden.

Bevor es dazu kommt, reißt der
­ immel auf. Ganz in der Ferne ist die
H
wie ein Dreizack in den Parc Naturel
Marin d’Iroise ragende Halbinsel von
­
Crozon auszumachen. Frankreichs erster
nationaler Meeresnaturpark umfasst
3550 Quadratkilometer Wasser und eine
Handvoll Inseln in der Mer d’Iroise, der
türkisblauen See an der Schnittstelle von
Ärmelkanal und offenem Atlantik. Über
300 Algenarten, 120 Fischarten, ein g­ utes
Dutzend Seevogelarten sowie Seesäugetiere wie Delfin und Robbe stehen hier
unter Schutz. Sitz ist in Le Conquet an
der Westspitze des Finistère. Ein bisschen fester Grund unter den Füßen muss
auch hier sein.

ZUR
SACHE

Zukunft

INSELN
AM SCHEIDEWEG
Elf bewohnte Inseln, Dutzende menschenleerer Eilande und unzählige nackte
Felsbuckel zählt die Bretagne. Die meisten Inseln kämpfen mit Bevölkerungsrückgang.
Oft entscheiden schlicht die Wetterdaten und die Entfernung
zum Festland über das Schicksal der Insel.

O

uessant, Frankreichs am
weitesten vom Kontinent
­
­entfernte Atlantikinsel, zählt
knapp 900 Einwohner, 300 Schafe,
drei Supermärkte und drei Fischer.
Hinzu kommen fünf Strände und
knapp 90 Nebeltage pro Jahr. „Man
hat nur eine Wahl, wenn man sich für
Ouessant entscheidet“, stellt O
­ ndine,
Tochter eines Seemanns und Enkelin
eines 1955 samt Boot spurlos auf See
verschwundenen Fischers nüchtern
fest, „entweder du gründest dein eigenes Unternehmen, oder du suchst dir
­einen Job im Tourismus.“ Die offiziell
diplomierte Fremden­führerin hat in
La ­Rochelle Umwelttechnik studiert
und ist dennoch nach Ouessant zurückgekehrt – damit ist sie eine Ausnahme.
Alle bretonischen Inseln verlieren
an Einwohnern, so verschieden sie
auch sein mögen. Belle-Île, die bekannteste, ist 150-mal so groß wie
Sein, das winzige Inselchen vor der
Pointe du Raz. Nach Ouessant und
Molène braucht die Fähre über eine
Stunde, zur L’Île aux Moines im
Golf von Morbihan fünf Minuten.
Auf Groix leben über 2000 Menschen,
auf Hœdic sind es nicht einmal 100.

Ondine Morin auf Ouessant sieht
sich mehr als „Sturmführerin“ als
eine Fremden­f ührerin.

Bréhat wurde zu einer blühenden
Boutique-Insel aufgehübscht, der
­Glénan-­Archipel blieb eine Ansammlung von baum- und strauchlosen
Sandbänken. Auf Houat sind die Einwohner traditionell Fischer, auf Batz
­leben sie als Bauern und Gärtner. Mal

Irgendwann bleiben auch
­O uessants Fischer an Land – der
Nachwuchs ist dünn gesät.

ist die Insel ein Ort granitgrauer
­Melancholie, mal ein Ort strahlendblauer Heiterkeit. Beides gilt im
­Prinzip freilich für alle bretonischen
Inseln und hat überwiegend auch
­
­etwas mit der ­jeweiligen Inselwetterlage zu tun.

DER WESTEN
64 – 65

Apropos Wetter: Ein halbes Dutzend Mal im Jahr muss der Fährverkehr nach Molène wegen schweren
Seegangs eingestellt werden. Auf der
kahlen Nachbarinsel von Ouessant
bereitet die Entvölkerung Sorge. Der
letzte Supermarkt hat geschlossen.
Auf die Schule geht ein einziges Kind.
Das Schicksal von Molène als ein nur
zwischen Ostern und Allerheiligen
betriebenes Ferienidyll scheint seinen
Lauf zu nehmen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der Fischmarkt in Ouessants Hauptort Lam­
paul ist überschaubar, die Ware aber un­
übertroffen frisch (oben). Auf halbem Weg
nach Ouessant: Mancher Segler ist froh, im
Sturm schutzsuchend den kleinen Hafen
der Île Molène anlaufen zu können. So sind
selbst die kleinen Inseln der Bre­t agne
­w assersporttouristisch weiterhin wichtig
(unten).

Auf Ouessant ist noch nicht entschieden, welchen Weg die Insel nehmen
wird. Es gibt einen ambulanten Krankenpflegedienst rund um die Uhr. Ein
Biobauer hat sich neu angesiedelt. Die
Gemeinde hat für junge Paare ein
paar Häuser im inseltypischen Stil
gebaut, deren Mieten bezuschusst
­
­werden. „Wenn wir Jungen uns hier
halten können, bleibt Ouessant eine
ganzjährig belebte Insel mit einem
anderen Leben als nur dem Tourismus,“ hofft Ondine, die, so wird es immer wieder deutlich, eigentlich nicht
woanders leben möchte.
„Als Kind bin ich in Windeln durch
die letzte Bar von Batz gelaufen, denn
sie gehörte meinem Vater“, erinnert
sich François Lesaoût. „Es gibt keine
Bar mehr auf der Insel, nur noch
­Crêperien“, fügt der heutige Inhaber
des Radverleihs im Inselhauptort
hinzu. Womit der Werdegang der vier
mal eineinhalb Kilometer großen Insel beschrieben wäre.
Batz, zurzeit 507 Einwohner, siebzehn Strände und 160 Hektar bewirtschafteter Felder, liegt mit der Fähre
lediglich 20 Minuten von Roscoff entfernt. Entsprechend zahlreich sind
die Tagestouristen. Die Nähe zum
Kontinent und das milde Klima
haben die Insel zudem zum Zweit­
wohnsitz einer internationalen Riege
Ferienhausbesitzern gemacht.
von ­
Vom sturmgeladenen Hochseeklima,
das Ouessant beherrscht, ist auf Batz
dank Golfstrom wenig zu spüren.
Und auch das ist ein Grund, warum
die Zahl der Insulaner ziemlich konstant bleibt.

1

3

4

2

7

5

6

INFOS & EMPFEHLUNGEN

DER WESTEN
66 – 67

Bretonisches Land’s end
Wo für die Römer die Welt endete, sind die Strände pulverweiß und erscheinen endlos.
Fast immer weht ein frischer Wind, der viele Wassersportler unwiderstehlich aufs Meer
lockt. Hochseegefühle kommen auf den Inseln auf, wo die steife Brise gern noch einmal
eine Nummer zulegt.
1

Roscoff

Der Fährhafen nach England und Irland (3800
Einw.) gilt seit 1899 als Wiege der Thalasso ­
therapie. Colette, Farah Diba und Zita von
Bourbon-Parma sorgten einst für Glamour.
Wichtiger waren allerdings schon immer
­Z wiebeln. Diese wurden jenseits des Ärmel­
kanals in England auf den Markt gebracht, wo
man die Männer als „Johnnies“ begrüßte.
SEHENSWERT
Der mit steinernen Laternen gespickte Glockenturm von Notre-Dame-de-Croatz-Batz (um
1500) ist das Wahrzeichen der Stadt. In der
Maison des Johnnies erfährt man alles über
die Männer, die nach England übersetzten, um
Zwiebeln zu verkaufen; Letztere tragen heute
das Qualitätslabel AOC Oignon de Roscoff (48,
Rue Brizeux; Anfang April–Anfang Mai, Mitte
Okt.–Anfang Nov. Di.–Sa. 11.00–12.00, 14.30 bis
17.00, Anfang Mai–Mitte Juni, Mitte Sept. bis
Mitte Okt. Do.–Sa. 11.00–12.00, 14.30–17.00,
Mitte Juni–Mitte Sept. Di.–Sa. 11.00–12.00,
14.30–18.00 Uhr).

HOTEL
Mit einer frischen Prise Design und Blick auf
den alten Hafen überrascht das Hotel € € / €
Chez Janie (5, Rue Gambetta, F-29680 Roscoff,
Tel. 02 98 61 24 25, www.chezjanie.fr).
UMGEBUNG
Riffe umgeben die Île de Batz TOPZIEL.
Hauptziel der Tagesausflügler sind die Dünenstrände und der Jardin Exotique Georges-Delaselle, wo Feigen und Palmen vom milden Mikroklima künden (April–Okt. 11.00–18.00 Uhr).
St-Pol-de-Léon (südl.) liegt inmitten von Artischocken- und Blumenkohlfeldern. Der Turm
der Kapelle Notre-Dame-du-Kreisker war ab
dem 15. Jh. Modell für das steinerne ­S pitzen­klöppelwerk der Kirchtürme im Léon.
INFORMATION
Office de Tourisme, Quai d’Auxerre,
F-29680 Roscoff, Tel. 02 98 61 12 13,
www.roscoff-tourisme.com

2

St-Thégonnec

Das Kuppel- und Laternengebirge von St-Thégonnec (2600 Einw.) stellt alle umfriedeten
Pfarrbezirke des Léon in den Schatten.

Tipp

Paradies
für Strandsegler
360 ha feuchter Sand bilden eine feste
Piste und machen die Grève de Goulven
zum Paradies für Strandsegler (Char à
voile). Wie einfach das Vergnügen zu
­e rlernen ist, erfährt man im Centre
Nautique Kermor B3. Belohnt wird die
Mühe mit einem berauschenden Gefühl – ein pures Glück.
INFORMATION
Centre Nautique Kermor B3, F-29890
Plounéour-Trez, Tel. 02 98 83 54 77,
www.revesdemer.com

SEHENSWERT
Im Ort entstand Ende des 16. Jhs. der letzte
große Enclos paroissial TOPZIEL der Bre­
tagne. Das Beinhaus (1682) ist ein grandioser
Knochen­p alast. Die Kirche Notre-Dame zeigt
eine ­b arocke Ausstattung.
UMGEBUNG
Der Pfarrbezirk von La Martyre (südw. bei La
Roche-Maurice) ist der älteste der Bretagne. Er
vereint alle Elemente eines Enclos paroissial:
Umfriedungsmauer, Beinhaus, Kirche mit
Prachtportal, ­Triumphbogen, Kalvarienkreuz,
Sakristei und Friedhof. Auch in Sizun, etwas
südöstl., eröffnet ein Triumphportal den
­Z ugang zum Pfarrbezirk. Das Beinhaus sucht
­s einesgleichen: An der Fassade ­räkelt sich das
Fabelwesen Mélusine mit nacktem Busen und
Schlangenunterleib. In Commana etwas weiter
östl. zeigen zwei reich mit Figuren verzierte
Kalvarienkreuze in den Himmel; im Kirchen­
innern besticht die verschwenderische Ausstattung. ­W eitere umfriedete Pfarrbezirke
­b ieten ­G ui­m iliau, Lampaul-Guimiliau, La
Roche-­M aurice, Ploudiry und Landivisiau.

Zwischen Granitgrau und bunter Blumenpracht:
Île de Batz. Seit 1902 Orientierung für die
Schiffe: Europas höchster Leuchtturm auf der Île
Vierge an der Einfahrt in das Aber-Vrac’h

INFORMATION
Office de Tourisme, 13, Place de la Mairie,
F-29410 St-Thégonnec, Tel. 02 98 79 67 80,
www.baiedemorlaix.bzh, http://saint-the
gonnec-loc-eguiner.bzh/office-du-tourisme/

INFOS & EMPFEHLUNGEN

3

Brignogan-Plage

Bescheidene Villen und Fischerhäuschen
wechseln an der Bucht des erfrischend un­
touristischen Orts (900 Einw.). Ringsherum
breiten sich makellose ­D ünenstrände aus.
SEHENSWERT
Zwischen übereinandergewürfelten Felsen ragt
seit 1869 der kleine Leuchtturm von Pontusval empor. Hinter dem Strand versteckt sich
die Chapelle Pol (1870) mit Kalvarienberg und
benachbartem Zöllnertürmchen.
UMGEBUNG
In Goulven scharen sich Granithäuser um die
gotische Kirche, deren reich verzierter Glockenturm wie ein steinernes Spitzentuch den
Himmel durchbricht.
Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf
­e rwacht Meneham Granitkate für Granitkate
zu neuem Leben. Das von den Dünen einst verschluckte Dorf wird von Künstlern neu belebt.
Ein Museum erklärt, dass die früheren Ein­
wohner u. a. von der Algensuche gelebt haben
(Juni–Sept. tgl. 10.00–12.30 und 14.00–18.00/
19.00 Uhr, sonst kürzer; www.meneham.bzh).
INFORMATION
Côte des Légendes, Office de Tourisme,
Place des 3 Piliers, F-29260 Lesneven,
Tel. 02 29 61 13 60,
www.cotedeslegendes.bzh

4

Aber Wrac’h

Hinter dem Ort (450 Einw.) an der mit 32 km
längsten Trogmündung der Côte des Abers
schließt die Baie des Anges an, von der es ­e in
Katzensprung bis zur Halbinsel Ste-Marguerite
ist. Meterhohe Dünen findet man auch hier
vor, gerahmt von Felsen und einigen Inselchen
im Meer.

Tipp

Volkssport
­Strandfischen
Das Suchen von Schwertmuscheln,
Rankenfußkrebsen und Plattaustern bei
Ebbe ist in der Bretagne ein Volkssport.
Was man beachten muss, wo das
„Strandfischen“ erlaubt ist und die
­r ichtige Technik erklärt Joel Le Guirrec,
der das zauberhafte ­C hambre d’hôte Ty
Bihan an Nordküste der Halbinsel von
Crozon leitet und diplomierter
­Wanderführer ist.
INFORMATION
Ty Bihan, Kervézennec,
F-29590 Le Faou, Tel. 07 68 67 08 14,
www.tybihan.bzh

Vor Lampaus Kirche auf Ouessant (links);
Kirche von St-Thégonnec (rechts oben);
Bar Ty Korn auf Ouessant (rechts unten)

HOTEL UND RESTAURANT
Grandiosen Seeblick und eine kreative Terroirküche bietet das € € € / € € Château de Sable
(38, Rue de l’Europe, F-29840 Porspoder, Tel.
02 29 00 31 32, www.lechateaudesablehotel.fr;
Restaurant So. abends, Mo. und Di. geschl.).
UMGEBUNG
8 km reicht der Aber Benoît (westl.) ins Land.
Am Ufer duckt sich St-Pabu: Fischer, Austernzüchter und Tangbauern bevölkern die Sze­nerie.
Dichtes Grün rahmt weiße Strände, an denen
das Wasser in Karibiktönen leuchtet.
1978 zerbrach die „Amoco Cadiz“ an den Riffen
von Portsall (nördl. von Ploudalmézeau).
230 000 t Öl verschmutzten die Küste. Am
­H afendeich erinnert der Anker der „Amoco
­C adiz“ an die Katastrophe. Ansonsten wirken
das charmante Städtchen und die unverbaute
Küste wieder unberührt wie vor dem Unglück.

In der Hochsaison spucken die Fähren Scharen
von Tagestouristen auf die mit salzresistenten
Gräsern bewachsene Insel ­O uessant. Trottellumme, Kormoran, Austerntaucher und Zwergpinguine nisten in den Felsen. Hinzu kommt
eine Graurobbenkolonie. Der Phare du Créac’h
(1863) beherbergt ein Leuchtturmmuseum (Juli
und Aug. tgl. 10.30–18.00 Uhr).

INFORMATION
Office de Tourisme du Pays des Abers,
6, Place de l’Europe, F-29880 Plouguerneau,
Tel. 02 98 04 70 93, www.abers-tourisme.com

INFORMATION
Office de Tourisme, Parc de Beauséjour,
F-29217 Le Conquet, Tel. 02 98 38 38 38,
www.iroise-bretagne.bzh

5

Le Conquet

Das Hafenstädtchen (2700 Einw.) ist für Hummer und Langusten bekannt und kann zudem
mit sanierten alten Gemäuern und der 2,5 km
langen Plage des Blancs Sablons punkten. In
Le Conquet legen die Fähren zu den Inseln
­M olène und Ouessant ab.
RESTAURANT
Fischbistro, nette Bar und Inseltreffpunkt in
­einem ist das € € Ty Korn neben der Kirche
von Lampaul (Le Bourg, Île d’Ouessant, Tel.
02 98 48 87 33; So., Mo. geschl.).
UMGEBUNG.
An der Pointe de St-Mathieu (südl.) scheint
der Leuchtturm (1835) aus der Ruine des im
6. Jh. gegründeten Klosters zu wachsen.
Molènes 213 Bewohner prägten den Spruch:
„Qui voit Molène, voit sa peine” (wer Molène
erblickt, hat seine liebe Not). Die Insel ähnelt
­e iner struppigen Weide. Im alten Leuchtfeuer
werden Fundstücke untergegangener Schiffe,
allen voran der 1896 aufgelaufenen „Drummond Castle“ gezeigt (Sa., So. und Schulferien
10.00–17.30 Uhr).

6

Camaret

Der Sillon, ein 600 m langer sichelförmiger
­N aturdamm, schützt den Hafenort (2700 Einw.).
Ihn säumen zerborstene Schiffsrümpfe, was
Camaret zu einem der malerischsten Schiffsfriedhöfe der Bretagne macht.
SEHENSWERT
In der Pfarrkirche Notre-Dame-de-Rocamadour (16. Jh. und 1911) hängen Schiffs-Exvotos unter dem Gebälk. Die ziegelrote Tour
Vauban daneben entwarf der Festungsbauer
1689 zum Schutz der Reede von Brest.
AKTIVITÄTEN
Südl. von Camaret führt der Küstenwanderweg
(Sentier Côtier) zur Pointe de Pen-Hir. 70 m
hoch trotzt das zerspaltene Felskap den Fluten.
UMGEBUNG
Am Cap de la Chèvre weicht die Vegetation
nacktem Fels. Auf der Westseite erstrecken sich
die Dünen der Plage de la Palue. Nach Norden
baut sich die Küste zu hohen Klippen auf.
Der 330 m hohe Ménez Hom an der Strecke
östl. nach Chateaulin gilt als Heiliger Berg und

JA
NATÜR
LICH
ist Teil des Regionalnaturparks Armorique. Vom
kahlen Gipfel schaut man über die Halbinsel
von Crozon, die Pointe du Raz, zur Landseite
über die Monts d’Arrée und die Mon­t agnes
Noires.
INFORMATION
Office de Tourisme, Boulevard de
­P ralognan-la-Vanoise, F-29160 Crozon,
Tel. 02 98 27 07 92,
www.crozon-tourisme.bzh

7

Brest

Die Rolle als Frankreichs wichtigster Kriegs­
hafen wurde der Stadt (139 000 Einw.) an einer
150 km 2 großen, nur durch eine enge Einfahrt
zu erreichenden Reede zum Verhängnis. Brest
wurde im Zweiten Weltkrieg buchstäblich pulverisiert. Es folgte ein Wiederaufbau in Beton.
Dann ein Kurswechsel – Kulturzentren und
­M useen entstehen, angeschla­­g ene Fassaden
werden aufgefrischt, ein Ozeano­g rafisches
Forschungszentrum und ein umfangreiches
Freizeit­a ngebot setzen neue Akzente.
SEH